Revolutionäres Wearable für die Blasenüberwachung

Laura Diez

Startup Stories

Im exklusiven Interview mit Jannick Lockl, dem CEO von inContAlert, erhalten wir Einblicke in die innovative Welt ihres Wearables zur Messung des Blasenfüllstands bei Inkontinenzpatienten. Jannick erklärt, wie das System funktioniert: Ein Sensor, am Gurt oberhalb des Schambeins befestigt, kontinuierlich Daten über die Blase sammelt. Deep-Learning-Algorithmen analysieren diese Daten, und der ermittelte Blasenfüllstand wird auf einer App angezeigt, während die App bei zu hohen Füllständen Warnungen ausspricht.

Wie würdest du einem Fachkollegen aus dem Gesundheitsbereich eure Lösung in drei Sätzen erklären?

"inContAlert ist ein Wearable zur Messung des Blasenfüllstands von Inkontinenzpatienten. Der Sensor wird mit einem Gurt oberhalb des Schambeins befestigt und erfasst kontinuierlich Daten über die Blase. Diese Daten werden von Deep-Learning-Algorithmen analysiert und der somit ermittelte Blasenfüllstand auf einer App angezeigt, gleichzeitig warnt die App bei zu hohen Blasenfüllständen."

Welches Problem hat euch zur Gründung motiviert?

"Unser Ziel ist es Patienten mit neurogener Blasendysfunktion die Kontrolle über die eigene Blase zurückzugeben. Bislang sind noch immer Hilfsmittel wie Windeln und Einlagen der einzig zuverlässige Schutz vor/bei unkontrolliertem Harnverlust. Mit inContAlert möchten wir schon einen Schritt vorher ansetzten und Patienten warnen, bevor es zu spät ist. Zusätzlich werden oftmals bei Betroffenen regelmäßige Katheterisierungen bis hin zu Dauerkathetern eingesetzt, die nicht dem tatsächlichen Bedarf entsprechen. Sowohl die übermäßige Katheterisierung als auch die Gefahr der Überdehnung der Blase kann gesundheitliche Folgen mit sich bringen, die durch inContAlert reduziert werden können. "

Wie überzeugt ihr Pharmakonzern, eine Krankenkasse, Versicherung oder einen anderen potenziellen Kunden gerade mit euch ein Pilotprojekt aufzusetzen?

"Die Einzigartigkeit des Systems besteht im Einsatz nicht-invasiver Methoden zur Erhebung des Blasenfüllstands, wobei diese Technik räumlich sehr kompakt umsetzbar ist und damit sehr unauffällig getragen werden kann. Eine alternative Technologie, um den Füllstand der Blase zu messen, wäre Ultraschall. Das Problem dabei ist, dass vor der Anwendung ein Gel auftragen werden muss und es regelmäßig Probleme mit der Genauigkeit gibt. Die Technologie von inContAlert hingegen ermöglicht eine kontinuierliche (24/7) und bequeme Überwachung der Blase im Alltag der Patienten. Dadurch können sowohl Hilfsmittel wie Katheter oder Windeln eingespart als auch das Risiko für gesundheitliche Folgeerkrankungen reduziert werden. Die Lebensqualität der Patienten steigert sich so deutlich. Besonders in Kranken- und Pflegeeinrichtungen können die Entleerungsprozesse besser geplant werden und somit Fachkräfte und Ressourcen entlastet und effizienter eingesetzt werden. "

Wer sind eure aktuellen Kunden(gruppen) und wer sollen die potenziellen Kunden sein? 

"Unser erster Schritt ist die Zertifizierung unseres Produktes als Medizinprodukt der Klasse 1 und die Zulassung auf dem europäischen Markt Anfang des Jahres 2024. Daran schließt der Soft Launch in Deutschland an. Sukzessiv soll der Markteintritt in weitere europäische Länder erfolgen (vor allem UK, Frankreich und Skandinavien), bevor dann der Markteintritt in die USA geplant ist. Unsere Kundengruppe beschränkt sich zunächst auf Patienten mit neurogener Blasenfunktionsstörung. Diese können unser Produkt im häuslichen Umfeld verwenden. Zudem wollen wir unser Produkt in Krankenhäusern sowie Pflegeeinrichtungen vertreiben. Eine Erstattung durch Krankenkassen wird angestrebt. "

Wo seht Ihr euch in 3 Jahren und wie kann euch 5-HT unterstützen?

"In drei Jahren wollen wir auf dem deutschen/europäischen Markt etabliert sein und einer möglichst großen Zahl Patienten ihren Alltag erleichtern, Folgeerkrankungen reduzieren und das Gesundheitssystem durch inContAlert ein Stück weit effizienter machen. 5-HT kann uns dabei helfen ein Netzwerk aufzubauen, das uns bei der weiteren Expansion unseres Unternehmens hilft. Hierunter fallen insbesondere die Kontakte zu Krankenkassen, mit denen wir bzgl. der Erstattung unseres Produkts verhandeln müssen."

Ihr habt im Oktober 2023 am Insuring Digital Health teilgenommen. Was ist euer Eindruck von dem Event und was hat euch die Teilnahme (bisher) gebracht?

"Bei Insuring Digital Health konnten wir mit zahlreichen Krankenkassen erstmalig in Kontakt treten und Ansprechpartner persönlich kennenlernen. Auf diesem Wege wollen wir nun in den längerfristigen Austausch starten und bestmöglich natürlich bei Markteintritt partnerschaftlich auftreten und den jeweiligen Versicherten unsere innovative Lösung anbieten. Das Event selbst war hervorragend organisiert, wenngleich es zugegebenermaßen schon auch anspruchsvoll ist, innerhalb so kurzer Zeit mit so vielen Krankenkassen ins Gespräch zu kommen und in Windeseile Ideen für eine mögliche Kooperation zu entwickeln."

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