Level up your Supply Chain: Der individuelle Baukasten für Lieferketten

Ronja Schimpf

Startup Stories

Auf dem Lieferwegen geht zu viel kaputt – besonders chemische und pharmazeutische Produkte sind anfällig für vielerlei Schadensfaktoren. Mit einem Hardware- und Software-Baukasten bietet das Startup chaingr eine individuelle Überwachung der Lieferketten an. So können auch die regulatorischen Anforderungen, chemische und pharmazeutische Produkte auf ihrem Transportweg zu überwachen, eingehalten werden. Im Interview mit 5-HT erzählt Gründer und Geschäftsführer Andreas Stoll, wie chaingr die Lieferketten digitalisieren und optimieren soll.

Gründer und Geschäftsführer Andreas Stoll
Gründer und Geschäftsführer Andreas Stoll

Von der Kühlketten-Kontrolle zur ganzheitlichen Überwachung der Lieferkette

„Alles, was auf dem Transportweg an Produkten kaputtgeht, muss neu erwirtschaftet werden. Das ist weder ressourcenschonend noch nachhaltig“, erklärt Andreas Stoll, „Das gilt zum Beispiel bei temperatursensiblen Produkten aus der Chemie-, Pharma- und Lebensmittelbranche. Allein in der Lebensmittelbranche gehen beispielsweise 20 Prozent der Produkte auf dem Lieferweg kaputt.“ Und das, findet Andreas, ist zu viel.

Die Idee, sensible Lieferketten zu digitalisieren und damit zu optimieren, kommt nicht von ungefähr. Seit 2007 ist Andreas Stoll geschäftsführender Gesellschafter von tempmate, ein Unternehmen auf internationaler Ebene aus Heilbronn. tempmate optimiert – wie der Name schon erahnen lässt – die Überwachung von Kühlketten und das schon seit über 30 Jahren. Den Markt und seine Herausforderungen kennt Andreas daher in diesem Bereich sehr gut.

„Aber eine sensible Lieferkette ist mehr als nur die Temperaturüberwachung. Chemische Rohstoffe aus der Pharma- und Chemieindustrie müssen allein aus regulatorischen Gründen über verschiedene Faktoren überwacht werden“, erklärt Andreas. So kam es erstmals zu der Idee, ein neues Geschäftsmodell mit einer umfassenden Überwachung der Lieferketten anzubieten. „Unser Thema ist daher die Digitalisierung von sensiblen Lieferketten.“

Von verlustreichen Lieferketten hin zur optimierten Supply Chain!
Von verlustreichen Lieferketten hin zur optimierten Supply Chain!

Von der Abnabelung von der Muttergesellschaft zum eigenständigen Startup

Zu Anfang war chaingr – oder genauer: das Modell einer ganzheitlichen Überwachung der Lieferketten – nicht mehr als ein Projekt innerhalb der Muttergesellschaft tempmates. Eine Ausgründung als eigenständiges Startup stellte sich jedoch bald als zielführender heraus: „Wir wollten mit chaingr andere Wege gehen, als wir es mit tempmate bereits seit 30 Jahren tun. Außerdem waren wir zeitweise so beschäftigt mit dem Tagesgeschäft für tempmate, dass kaum Zeit für innovative und kreative Prozesse blieb.“ So kam es 2020 zu dem Entschluss, sich von der Muttergesellschaft tempmate abzunabeln und ein Startup auszugründen. Seither besteht das Startup aus drei Personen: Andreas Stoll als Geschäftsführer, Fabian Sailer für den Bereich Business Development und Markus Kling als Head of Technology. Der Name ‚chaingr‘ entstand dabei als ein Wortspiel aus den Begriffen ‚change(r)‘ und ‚chain‘.

Fabian Sailer (Business Development) und Markus Kling (Head of Technology)
Fabian Sailer (Business Development) und Markus Kling (Head of Technology)

Ganz getrennt sind tempmate und chaingr aber nicht. Zwar sind die Unternehmen auf organisatorischer Ebene komplett getrennt, doch sitzen sie noch immer in denselben Räumlichkeiten. Ein Austausch ist weiterhin da und auch wichtig, so verrät Andreas.

„Das bedeutet auch, dass der Wettbewerber mit uns im eigenen Haus sitzt“, resümiert Andreas, „Wir spornen uns gegenseitig an.“ Keines der Unternehmen laufe Gefahr, seine Daseinsberechtigung zu verlieren: „Viele Kunden sind interessiert an unserem neuen Geschäftsmodell. Sie machen einen langsamen Übergang von tempmates zu unserem Modell der Lieferkettenüberwachung. Aber auch tempmates klassisches Modell ist bei vielen Kunden weiterhin beliebt.“

Von verlustreichen Lieferketten hin zur optimierten Supply Chain

Das neue pay-per-use Geschäftsmodell sei wesentlich günstiger für den Kunden, denn die Überwachungshardware und -software wird nicht länger als ein Ganzes gekauft: „Unser Produkt kann man sich als einen Hardware- und Software-Baukasten vorstellen, den sich der Kunde individuell zusammensetzen kann.“

Der Baukasten bestehe dabei hauptsächlich aus verschiedensten Sensoren, die allerlei Faktoren wie Temperatur, Bewegung, Position, CO2-Gehalt, Luftfeuchte und so weiter messen, sowie Übertragungsmöglichkeiten für deren Messungen. „Der Kunde kann also immer sehen, wo und in welchem Zustand sich sein Produkt befindet“, erklärt Andreas, „Außerdem agiert die Software vorausschauend. Das bedeutet, sollte ein Schaden entstehen können, werden entsprechende Maßnahmen eingeleitet. Zum Beispiel bekommt der Fahrer einen Warnhinweis oder eine Ersatzsendung wird auf den Weg geschickt. Damit soll unser Kunde künftig die Wertschöpfungstiefe tiefer abschöpfen können.“

Dabei habe chaingr immer ihre Leitwörter im Sinn: Verantwortung, die man als Unternehmen für seine Produkte immer trage, Sicherheit, die man für die Produkte gewährleiste, Transparenz, die man den eigenen Kunden über das Produkt verspreche und nicht zuletzt Reputation, der geschadet wird, sollte man die anderen Leitwörter verletzen.

Level up your Supply Chain
chaingr - Level up your Supply Chain

Vom Startup zum künftigen Standard im Bereich Lieferkettenüberwachung

Aktuell setzt chaingr Pilotprojekte um, ist in Gesprächen mit einem internationalen ERP-Anbieter und arbeitet mit einer großen deutschen Versicherung an einer neuen Police für Schäden innerhalb der Lieferkette. „Bisher sind nur elementare, also sichtbare Schäden versicherbar. Versteckte Schäden wie beispielsweise eine Temperaturüberschreitung sind es nicht – und das wollen wir ändern“, erklärt Andreas.

Außerdem ist das Startup auf der Suche nach Vernetzungsmöglichkeiten. „Wir suchen Partnerschaften, natürlich auch Kunden oder einfach nur Austausch. Deshalb haben wir uns dem Netzwerk von 5-HT angeschlossen, denn das Netzwerk ist sehr breit gestreut und gibt uns daher viele Möglichkeiten zur Vernetzung. Und natürlich ist es auch nicht schlecht, das Logo von 5-HT auf der eigenen Homepage vorweisen zu können“, erzählt Andreas.

„Langfristig wollen wir zum Standard im Bereich der digitalisierten Lieferkettenüberwachung werden“, resümiert Andreas, „Ähnlich wie die Europalette wollen wir die neutrale Instanz sein, wenn es um Lieferketten geht.“

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