SUCCESS STORIES IDEEN, TALENTE, DURCHBRÜCHE

Der Digital Hub Mannheim/Ludwigshafen fördert und unterstützt die Entwicklung von disruptiven Potentialen, welche die Digitalisierung für die Bereiche Chemie und Gesundheit besitzt, und betrachtet, welche Konsequenzen diese für die Branche haben. Erste Antworten gibt es bereits. Unsere Success Stories geben Ihnen einen Einblick in die innovativen Ansätze rund um den Digital Hub.

Demo Teaser InnovationLab

InnovationLab

Das InnovationLab begleitet im Bereich gedruckter Elektronik Startups auf dem Weg vom Prototypen zur industriellen Produktion.

GeneWerk

Erbkrankheiten, Immundefekte und Krebserkrankungen sind schwer therapierbar. Das Genome Editing eröffnet hier neue Möglichkeiten.

GeneWerk
evid.one

evid.one

Der Transfer neuester medizinischer Erkenntnisse in die Praxis ist aufgrund der Menge an Daten schwer. Bald gelingt er mit wenigen Klicks.

mbits

Komplexe medizinische Bilddaten müssen heutzutage für Ärzte mobil abrufbar sein – überall und jederzeit. mRay macht das möglich.

mbits

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Success Story 1

InnovationLab

Visionen mit starken Partnern realisieren

Mit dem InnovationLab haben Hochschulen, Startups und Unternehmen aus der Metropolregion Rhein-Neckar eine gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsplattform geschaffen, die den Transfer von Erfindungen in marktfähige Produkte vorantreibt. Im Fokus der Aktivitäten: die Zukunftstechnologie gedruckte organische Elektronik. Sie ermöglicht die umweltfreundliche Herstellung extrem dünner, flexibler und ultraleichter Elektronikbauteile für neue Anwendungen in der Medizintechnik und vielen anderen Industrien wie Pharma, Möbel, Verpackung, Automobil und Energie.

Über die Herausforderungen und Erfolge dieses einmaligen Kooperations- und Geschäftsmodells erzählt Geschäftsführer Luat Nguyen im Interview mit dem Digital Hub Mannheim/Ludwigshafen.

Fakten InnovationLab GmbH

Branche: Materialtechnik, Drucktechnik, Elektronik, Chemie, IT

Produkte: Gedruckte organische Elektronik

Standort: Heidelberg

Gründung: 2008

Geschäftsführer: Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Kowalsky, Dipl.-Wirtsch.-Ing. Luat Nguyen

Mitarbeiter: 26 + 167 assoziierte Wissenschaftler

Kunden: u.a. SAP, BASF, Dr. Jean Bausch, Heidelberger Druckmaschinen, Merck, NEC, VW

Partner: BASF SE, Heidelberger Druckmaschinen AG, Karlsruher Institut für Technologie (KIT), SAP SE, Universität Heidelberg

InnovationLab Nguyen
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Herr Nguyen, das InnovationLab wurde 2008 mit dem Ziel gegründet, Wissenschaft und Wirtschaft unter einem Dach zu vereinen. Wie ist die Idee dazu entstanden?

Die Idee stammt von Prof. Claus Heinrich (SAP) und Dr. Karl-Heinrich Hahn (BASF). Sie basierte auf der Feststellung, dass die Region Rhein-Neckar zwar in punkto Wissenschaft die Nase vorn hat, es aber wenig Zusammenarbeit mit den Unternehmen gibt. Die Frage war, wie man beide Parteien zusammenbringt, damit sie gemeinsam forschen und Prototypen entwickeln, die sich vermarkten lassen. Der Kooperationsgedanke ging auf. Heute sind wir ein internationales Forschungs- und Entwicklungszentrum, ausgestattet mit Laboren, hochmodernen Reinräumen, Büros und Konferenzräumen auf über 5.600 Quadratmetern. Bei uns arbeiten inzwischen rund 200 Forscher und Entwickler aus der ganzen Welt. Des Weiteren bieten wir ein optimales Startup-Ökosystem, das bereits von sechs Unternehmen genutzt wird.

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Was genau ist Ihr Geschäftsmodell?

Wir ebnen den Weg vom Labor zur Fabrikation. Wir schließen die Lücke zwischen Wissenschaft und Unternehmenswelt. Bei Universitäten ist die Forschung irgendwann beendet. Dann gibt es zwar eine Entwicklung, aber noch nichts wirklich Greifbares. Spätestens hier stellt sich die Frage nach dem nächsten Schritt. Wie kommt man vom Prototypen zum Pilotprojekt und von dort zur Serienproduktion? Das ist nicht so einfach. Im Bereich Medizintechnik ist es besonders aufwendig. Alle europäischen Richtlinien einzuhalten, ist nur eine der vielen Herausforderungen. Sobald etwas mit Menschen in Berührung kommt, sind die Regelungen sehr streng. Aber wir haben es geschafft. Wahrscheinlich sind wir das erste Unternehmen in Deutschland, das mit gedruckter Elektronik in die industrielle Produktion gegangen ist.

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Stichwort gedruckte Elektronik – das ist ja das Spezialgebiet des InnovationLab. Können Sie uns dafür ein Anwendungsbeispiel nennen?

Im Bereich der Medizintechnik haben wir gemeinsam mit der Firma Dr. Jean Bausch das digitale System OccluSense® zur Kaudruck-Kontrolle bei Zahnbehandlungen entwickelt und serienreif produziert. Dank der integrierten flexiblen Drucksensoren, lässt sich die Druckverteilung auf den Kauflächen jetzt auch digital abbilden und kontrollieren. Ein weiteres Beispiel sind in Sitzflächen integrierte Drucksensorfolien, anhand der sich die Sitzposition analysieren und verbessern lässt. Hier arbeiten wir Hand in Hand mit SAP.

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Wie gestaltet sich der Innovationsprozess im InnovationLab?

Heutzutage ist Geschwindigkeit entscheidend. Wir wollen bei der Entwicklung einer Technologie nicht in Schönheit sterben, sondern treten möglichst schnell mit Startups und Unternehmen in Kontakt, die eine Lösung für ein bestehendes Problem in der Praxis suchen. Gemeinsam entwickeln wir dann ein Produkt, das den realen Bedürfnissen entspricht und nicht am Markt vorbei zielt. Mögliche Kinderkrankheiten werden dabei direkt an den Prototypen gelöst.

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Wie wird sich das InnovationLab in Zukunft weiterentwickeln? Was sind die Ziele?

Unser Kurs geht ganz klar in Richtung Wachstum. Wir planen bis 2025 eines der weltweit führenden Innovationszentren in gedruckter Elektronik zu werden.

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Gibt es Kontakt zur lokalen Startup-Szene? Wie stark ist dieser ausgeprägt?

Unser Austausch ist sehr rege. Wir haben auch die Intention, verstärkt mit Startups zu arbeiten. Zurzeit unterstützen wir fünf Startups dabei, ihre Entwicklungen in serienfähige Anwendungen zu überführen und auf den Markt zu bringen. Dabei haben die Startups Zugang zu unseren Entwicklungsbereichen und profitieren vom Know-how vor Ort. Unserer Innovationskraft kommen dabei die kurzen Entscheidungswege und agilen Projektstrukturen von Startups zu Gute.

InnovationLab
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Was zeichnet die Rhein-Neckar-Region als Standort für junge Unternehmen aus?

Zum einen können Unternehmen von den Forschungseinrichtungen und namhaften Unternehmen der Region profitieren. Bei interessanten Projekten sind viele Unternehmen zu Kooperationen bereit und unterstützen mit dem Zugang zu Wissen sowie Entwicklungs- und Produktionskapazitäten. Zudem nehmen die Städte und Kommunen die Digitalisierung sehr ernst und investieren in sie – ein Beispiel ist hier der auf den Konversionsflächen der Stadt neu entstehende Heidelberg Innovation Park.

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Welchen Rat können Sie Gründern ans Herz legen?

In Deutschland sind die Menschen sehr auf Sicherheit bedacht – als Unternehmer müssen Sie aber risikobereit sein. Auch das Scheitern ist als Gründer keine Seltenheit. Zudem sollte man nicht glauben, dass es nur darum geht, Investoren zu gewinnen. Das bringt auch viele Abhängigkeiten mit sich. Lieber langsam ein Geschäftsmodell entwickeln, das sich finanziell selbst trägt. Investoren machen erst bei konkreten Expansionsplänen Sinn.

Kontakt: InnovationLab GmbH · Anne-Katherine Mang · +49 (0)6221 5419118 · anne-katherine.mang@innovationlab.de · www.innovationlab.de/en/

Success Story 2

GeneWerk

Mehr Sicherheit in der Gentherapie

Im Sommer 2014 gründete sich das Startup GeneWerk als Spin-Off des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg. Zu diesem Zeitpunkt haben Dr. Annette Deichmann und Dr. Manfred Schmidt bereits langjährige Erfahrung im Bereich der Gentherapieforschung. Bei der Gentherapie wird das Erbgut von außen durch neue Gensequenzen modifiziert, um Krankheiten auf Zellniveau zu bekämpfen. GeneWerk untersucht, wie und wo sich bestimmte Gensequenzen im Erbgut einbauen und wie sich dies auf die betreffenden Zellen auswirkt. Das Ziel: die Gentherapie durch Forschung und Analysen noch sicherer und wirksamer zu machen – und Menschen mit Erbkrankheiten, Immundefekten oder Krebs zu helfen.

Wir sprachen mit den Geschäftsführern Dr. Annette Deichmann und Dr. Manfred Schmidt von den Erfolgen und Zielen ihres Startups im Bereich der Gen- und Immuntherapie.

Fakten GeneWerk GmbH

Branche: Gentherapie, Immuntherapie

Produkte: (Immun-)Gentherapeutische Analysen

Standort: Heidelberg

Gründung: 2014

Geschäftsführer: Dr. Manfred Schmidt, Dr. Annette Deichmann

Mitarbeiter: 20

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Aus welchem Impuls heraus haben Sie GeneWerk gegründet?

Dr. Manfred Schmidt: Im deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) haben wir uns, wie auch heute noch, mit der Sicherheit von Vektorintegrationen beschäftigt. Einfach gesagt: Wir haben untersucht, wo genau sich bestimmte eingeschleuste Gensequenzen in das Erbgut einbauen und ob die Integration an diesen Stellen risikobehaftet ist – es beispielsweise zu Zellmutationen wie beim Krebs kommen kann. Immer öfter gab es Anfragen aus der Industrie. Akademische Gruppen sind jedoch an Drittmittel gebunden und werden an ihren wissenschaftlichen Ergebnissen gemessen – Industrieanfragen sind in diesem Rahmen eher schwierig zu bearbeiten. Daher haben wir uns frühzeitig mit dem DKFZ zusammengesetzt. Schritt für Schritt und über einen non-profit Fee-for-Service sind wir dann die Industrieanfragen angegangen. Schließlich haben wir gemeinsam mit dem DKFZ entschieden, ein eigenständiges Startup zu formen.

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Forschung und Entwicklung ist teuer – wie finanziert sich GeneWerk?

Dr. Annette Deichmann: Durch unsere langjährigen internationalen Kooperationen sind wir als Mitantragssteller an zwei EU-Projekten beteiligt und bekommen über diese Forschungsprojekte Gelder.

Dr. Manfred Schmidt: Eine weitere Förderung besteht über das Projekt CRACK IT. Hier haben wir an einer sogenannten Challenge zur Vektorsicherheit in der Gentherapie teilgenommen und diese gewonnen. Für Kunden übernehmen wir auch viele Routineaufgaben. Das sind in der Regel Analysen oder spezifische Forschungsaufträge. An Investoren haben wir uns bisher noch nicht gewendet, auch um komplett selbstständig zu bleiben.

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Was ist Ihr Ziel für die kommenden Jahre?

Dr. Annette Deichmann: Aufgrund zahlreicher Kundenanfragen werden wir in den nächsten Jahren noch weiter wachsen und neue Mitarbeiter einstellen. Denn im Grunde ist GeneWerk ein Dienstleister – mit einem sehr personalintensiven Angebot.

Dr. Manfred Schmidt: Wir sind auch dabei, unser Portfolio zu vergrößern. Neben der klassischen Gentherapie wollen wir noch stärker in den Bereich Genome Editing und Immuntherapie vorstoßen und auch hier mögliche Nebeneffekte der Erbgutveränderungen untersuchen. Darüber hinaus planen wir, ein Büro in Boston zu eröffnen.

GeneWerk
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Welchen Herausforderungen mussten Sie sich in den letzten Jahren stellen?

Dr. Annette Deichmann: Der Aufbau unseres Qualitätsmanagementsystems war sehr aufwendig. Zu sondieren, was für Regeln es zu beachten gibt, was wir alles für die Umsetzung brauchen und welches Konzept zu unserer Arbeit am besten passt – das ist gar nicht so leicht zu entscheiden. Und das zahlt einem natürlich keiner, obwohl es alle Mitarbeiter durchaus fordert. In Bereichen mit klinischen Studien ist ein funktionierendes Qualitätsmanagement jedoch unabdingbar.

Dr. Manfred Schmidt: So bestand eine der größten Herausforderungen darin, die IT entsprechend aufzubauen. Viele Fragen mussten beantwortet werden. Fragen wie: Wo stehen unsere Server? Wie sieht das Archivsystem aus? Oder: Wie gut sind die Daten gesichert?

Dr. Annette Deichmann: Unsere Kunden helfen uns jedoch dabei. Gerade große Kunden, die sich streng an regulatorische Vorgaben halten müssen. Sie geben uns gute Hinweise, worauf wir noch achten müssen.

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Wie empfinden Sie die Region als Standort für Ihr Startup?

Dr. Annette Deichmann: Heidelberg ist für uns ein sehr guter Standort. Auch da wir die Nähe zum DKFZ und somit zu unserem direkten akademischen Umfeld haben. In der Region sind wir über das Bio-R-N Cluster, Life Science-Verbünde und die Heidelberg Startup-Partners gut vernetzt. Unsere Mitarbeiter nutzen zum Teil auch das Angebot an Fortbildungen oder Vorträgen.

Dr. Manfred Schmidt: Ich würde es so sagen: In Deutschland ist es der beste Standort für unseren Forschungsbereich. Für deutsche Verhältnisse sind Krebsforschung und Life Sciences in der Region extrem stark vertreten. Weltweit gesehen würden wir wahrscheinlich nur in den USA bessere Ressourcen vorfinden.

Dr. Annette Deichmann: Die Dichte an qualifiziertem Personal ist hier in der Umgebung besonders hoch. Das sehen wir an den vielen Initiativbewerbungen, die wir bekommen.

GeneWerk
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Haben Sie abschließend noch einen Rat für Gründer und Startups?

Dr. Manfred Schmidt: Ich denke es macht extrem viel Sinn, einen detaillierten Business-Plan zu erstellen. Um sich die nächsten Schritte bewusst zu machen, diese sicher zu planen und nichts zu überstürzen.

Dr. Annette Deichmann: Es ist auch wichtig, dass man für seine Idee brennt und mit viel Enthusiasmus startet. Denn es kommen ganz viele unterschiedliche Aufgaben auf einen zu – das darf man nicht unterschätzen.

Kontakt: GeneWerk GmbH · Dr. Annette Deichmann · +49 (0)6221 427900 · contact@genewerk.de · www.genewerk.com/de/

Success Story 3

evid.one

Die digitale Zukunft von Behandlungsleitlinien

Das 2015 gegründete Startup MediNet IT entwickelt Webseiten und Softwareapplikationen für Mediziner. Seit kurzem bestimmt das Softwareprojekt evid.one – eine Ausgründung der MediNet IT – ihren Arbeitsalltag: Die Web-App soll es Ärzten erleichtern, aktuellste wissenschaftlichen Erkenntnisse in die tägliche Behandlungsroutine mit einzubeziehen. Konkret bedeutet das: Umfangreiche Leitlinien für die Medikation und Behandlung werden durch evid.one digital aufbereitet und sind über eine Web-App jederzeit intuitiv und schnell zugänglich.

Von den Erfahrungen und Erfolgsmomenten ihres ambitionierten Medizin-Startups erzählen Johann Rink (29, Arzt), Felix Franz (28, Psychologe) und Henry Müssemann (19, Student der medizinischen Informatik) im Interview mit dem Digital Hub Mannheim/Ludwigshafen.

Fakten evid.one

Branche: Medizinische Informatik

Produkte: Software, Web-Apps, Webseiten

Standort: Mannheim

Gründung: 2015

Geschäftsführer: Felix Franz

Mitarbeiter: 7

evid.one
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Was genau steckt hinter Ihrem neuen Projekt evid.one? Was war der Auslöser?

Johann Rink: Als Arzt habe ich immer wieder beobachtet, dass die neusten Therapieerkenntnisse nur schleppend im Klinikalltag ankommen. Es funktioniert nämlich so: Wenn eine neue Leitlinie erscheint, erhält man einen dicken Stapel Papier. Nicht selten wandert dieser von der Hand in den Schrank und wird aufgrund von Zeitmangel nur selten gelesen. Aktuell überwiegt daher eine erfahrungsbasierte Therapie – es dauert oft 15-20 Jahre, bis neue wissenschaftliche Erkenntnisse im Alltag angewendet werden. Darüber hinaus gibt es Krankheitsbilder, bei denen sich Behandlungsempfehlungen häufig verändern. Beispielsweise durch Antibiotikaresistenzen. Hier müssen neue Leitlinien unbedingt beachtet werden. Bei circa 850 in Deutschland existierenden Leitlinien verliert man da schnell den Überblick. Hier setzt unsere digitale Lösung evid.one an. Zu jeder Diagnose hinterlegen wir in der App die aktuelle Behandlungsleitlinie inklusive empfohlener Medikation– intuitiv und schnell einsehbar.

Felix Franz: Auch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten können geprüft werden. Bei bekannten Allergien werden zusätzlich alternative Behandlungen vorgeschlagen. Wir wollen den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis für Ärzte möglichst einfach gestalten.

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Welche Herausforderungen gibt es bei der Entwicklung von evid.one?

Johann Rink: evid.one soll langfristig ein Medizinprodukt werden. Der Markt für Medizinprodukte ist in Deutschland, wie in den meisten Ländern, stark reguliert. Unsere Web-App muss also zahlreichen Vorgaben und Richtlinien entsprechen, bevor man sie als Arzt bei Behandlungen uneingeschränkt verwenden darf.

Felix Franz: Bevor man Medizinprodukte auf den Markt bringen kann, muss eine Zertifizierung im Rahmen europäischer Richtlinien erfolgen. Zu den Voraussetzungen der Zertifizierung gehört unter anderem auch der Aufbau eines Qualitätsmanagement-Systems. Das macht die Entwicklung aufwendig und anspruchsvoll.

Henry Müssemann: Risikoanalysen gehören auch dazu. Wir müssen uns überlegen, was alles passieren könnte und wie zum Beispiel fehlerhafte Therapieverlinkungen im Programm ausgeschlossen werden.

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Wie sieht die Finanzierung derzeit aus? Wie soll sie sich in Zukunft entwickeln?

Johann Rink: Bis jetzt ist MediNet IT komplett selbstfinanziert. Evid.one wird als Ausgründung der MediNet IT UG (haftungsbeschränkt) über Risikokapital finanziert werden. Zurzeit sind wir im Gespräch mit Investoren, da wir evid.one deutschlandweit vermarkten werden und das Projekt dadurch immer größer wird.

Felix Franz: Für die Nutzung ist auch ganz konkret ein Lizenzsystem geplant. Von der Einzellizenz für einen niedergelassenen Arzt bis hin zu großen Lizenzpaketen für ganze Krankenhäuser – bei letzterem denken wir über kundenspezifische Ergänzungen von Leitlinien nach. Die monatlichen Gebühren sollen am Ende unsere Kosten tragen.

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Was ist Ihre große Vision für evid.one?

Johann Rink: Wir starten erst einmal in Deutschland. In ungefähr einem halben Jahr nach Start der Programmierung werden wir mit einem Basisprodukt marktreif sein. Anschließend weiten wir die Vermarktung auch in die deutschsprachigen Nachbarländer aus. Die Behandlungsleitlinien für Krankheitsbilder unterscheiden sich von Land zu Land. Hier müssen wir dann die landesspezifischen Leitlinien entsprechend implementieren. Länder, die keine eigenen Leitlinien besitzen, greifen meist auf die amerikanischen oder deutschen zurück. Unsere große Vision ist es, eine Plattform zu entwickeln, die hochwertige medizinische Informationen in möglichst vielen Sprachen bereitstellt – so, dass auch Länder davon profitieren, in denen das medizinische System nicht so weit entwickelt ist.

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Wie empfinden Sie die Startup-Szene im Rhein-Neckar-Raum? Wie ist der Austausch untereinander?

Felix Franz: Die lokale Startup-Szene ist gerade stark am Wachsen und sehr gut vernetzt. Es finden auch immer mehr Events für junge Unternehmer statt. Pitch-Events eignen sich, um bekannter zu werden und aktiv Kontakte zu knüpfen – auch zu Investoren. Für den Standort Rhein-Neckar sprechen zudem zahlreiche Veranstaltungen rund um die Themen Gesundheit und Medizin, wie die von EIT Health.

Johann Rink: Auch der Mannheimer Gründungsverbund (Cluster Medizintechnologie Mannheim, MAFINEX, CUBEX) ist eine große Hilfe. Die Unterstützung von öffentlicher Seite ist sehr gut, da wird sehr viel getan. Nur der Anschluss an etablierte Unternehmen gestaltet sich nach unserer Erfahrung etwas schwerer.

evid.one
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Welche Tipps können Sie anderen Startups und Gründern mit auf den Weg geben?

Felix Franz: Sie sollten frühzeitig den Blick in die Praxis wagen. Hier hilft es, potentiellen Anwendern das Produkt bereits im Entwicklungsstadium zu zeigen. Ihr Feedback ist unglaublich wertvoll. So entwickelt man letztendlich auch ein Produkt, das den wahren Bedürfnissen am Markt entspricht.

Kontakt: evid.one · Felix Franz, Geschäftsführer · +49 (0)621 46264063 · info@evid.one · www.evid.one

Success Story 4

mbits

Mehr Digitalität im Gesundheitswesen wagen

Das Medizin-Startup mbits schafft mit seinem digitalen Medizinprodukt mRay eine Plattform für die sichere Übertragung von radiologischen Bilddaten auf mobile Geräte. Ärzte können mit einer App Bilddaten ortsunabhängig per Tablet oder Smartphone einsehen – und sind bei der Diagnose räumlich nicht mehr an einen Stationsrechner gebunden. Auch die Kommunikation zwischen Kollegen ist mit der App problemlos möglich. Seit 2015 macht mbits so den Klinikalltag etwas digitaler und erleichtert die praktische Arbeit mit radiologischen Bildern.

Dr. Ingmar Gergel und Dr. Michael Müller sprechen im Interview mit dem Digital Hub for Chemistry & Health über die Gründung ihres Startups, die wichtigen Schritte danach und über eine Branche im Aufbruch.

Fakten mbits imaging GmbH

Branche: Medizinische Informatik

Produkte: Software

Standort: Heidelberg

Gründung: 2015

Geschäftsführer: Dr. Ingmar Gergel, Dr. Michael Müller

Mitarbeiter: 10

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Wie war der Weg zum eigenen Unternehmen?

Dr. Michael Müller: Die Idee zu mbits entstand 2011 – als das erste iPad aufkam. In unserer Medizininformatik-Abteilung am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) haben wir uns bereits mit Mensch-Maschine-Schnittstellen auseinandergesetzt. Und uns die Frage gestellt: Wie können wir Software sinnvoll in den Klinikalltag integrieren? Mit dem Aufkommen des iPads ist dann die Idee zur mobilen Software mRay entstanden.

Dr. Ingmar Gergel: Wir haben uns vor allem damit beschäftigt, wie man medizinische Bilddaten verarbeitet und sicher auf Mobilgeräte portiert. Zu Beginn wurden wir belächelt. Doch irgendwann haben wir festgestellt, dass wir das Projekt in Richtung marktreifes Produkt treiben können. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir noch unsere Verträge am DKFZ und haben als sogenanntes Steinbeis-Transferzentrum agiert – ein Konstrukt, durch das wir am Markt aktiv werden konnten, ohne den Rückhalt des Instituts zu verlieren. Die Motivation Produkte zu entwickeln war also schon früh da. Und so ergab sich ein kontinuierlicher Übergang hin zur eigenen GmbH.

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Wo steht mRay aktuell und welche Perspektiven sehen Sie für die Plattform?

Dr. Michael Müller: Derzeit betreuen wir rund 35 Kliniken, Praxen und Firmen – hauptsächlich Kliniken in Südwest-Deutschland. Wir starten eher lokal und expandieren nun Schritt für Schritt – auch international. Bei einer schnellen Internationalisierung bräuchten wir immense Ressourcen, sowohl in Form von Kapital als auch Manpower.

Dr. Ingmar Gergel: Unser Fokus liegt vorerst auf der DACH-Region. Da es sich bei mRay um ein digitales Produkt handelt, bekommen wir natürlich auch internationale Anfragen – obwohl wir dahingehend noch kein Marketing betreiben. In Israel haben wir beispielsweise schon vier Installationen durchgeführt. Nach und nach werden es mehr Anfragen und Kunden.

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Spüren Sie Konkurrenz? Falls ja, wie gehen Sie mit diesem Wettbewerb um?

Dr. Ingmar Gergel: Natürlich. Zum einen haben wir Wettbewerber im Bereich der Bildbetrachtung. Dann gibt es aber auch Konkurrenten beim Austausch und der Verteilung von medizinischen Bilddaten. Derzeit sind wir noch eines der wenigen Unternehmen, die beides kombinieren. Aber wir sehen auch, dass die anderen Hersteller nicht schlafen. Unser Ziel ist es, bei der Entwicklung alle Vorteile mobiler Geräte zu nutzen. Dazu gehört neben der Mobilität beispielsweise auch die Kameranutzung. Ein Modul entsteht aktuell zur Wund-Dokumentation während der Visite. Bilder werden mit dem mobilen Endgerät aufgenommen, mit einer Patientenzuordnung im Archiv abgelegt und so zugänglich gemacht.

Dr. Michael Müller: mRay steht eben nicht nur für einen mobilen Bildzugriff. Wir verfolgen einen Plattformgedanken und versuchen mit unserer Software alles, was mobil sinnvoll ist, auch abzudecken. Maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz ist auch ein Feld, dem wir uns aktuell widmen.

mbits
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Stichwort Digitalisierung – welche Bedeutung haben digitale Lösungen im Gesundheitswesen?

Dr. Michael Müller: Die Digitalisierung schreitet in der Medizin rasant voran. Forschung und Industrie entwickeln immer neue Projekte und Produkte. Auf der anderen Seite gibt es die Krankenhäuser mit ihrem Versorgungsauftrag. Klar sind das keine Spielwiesen für neue Technologien. Das Handeln ist hier oft eher konservativ oder reserviert. Das macht es uns natürlich nicht leicht. Aber wir beobachten hier einen rezeptorischen Prozess: Neuentwicklungen finden erst nach einigen Jahren ihren Weg in den Großteil der Krankenhäuser.

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Wie sieht die Unterstützung vor Ort aus? Haben Sie Kontakt zur lokalen Startup-Szene?

Dr. Ingmar Gergel: Das DKFZ ist an unserem Startup beteiligt – dementsprechend genießen wir noch gewisse Vorzüge, die mit der Kooperation einhergehen. Mit den Heidelberg Startup-Partners gibt es zudem ein Netzwerk, das Veranstaltungen organisiert und hilfreiche Kontakte vermittelt.

Dr. Michael Müller: Über die Heidelberg Startup-Partners kennen wir auch das ein oder andere junge Unternehmen aus der Region. Und diese trifft man dann bei Vorträgen oder auf Kongressen wieder. Besonders für Medizinunternehmen sind die Voraussetzungen in der Rhein-Neckar-Region ideal – vor allem wegen der vielen Institute und Forschungseinrichtungen.

mbits
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Haben Sie einen Ratschlag, den Sie jungen Startups geben können?

Dr. Michael Müller: Am Anfang hatten wir eine, wir nennen es Wurstelphase. In dieser Zeit startet man mit einer Idee und wird irgendwann mit der Realität konfrontiert – schlägt dabei teilweise hart auf. Firmengründung heißt auch, sich am Anfang selbst zu definieren. Das muss man einplanen und sich diese Zeit eingestehen. Wer davon überzeugt ist, sofort steil zu gehen, scheitert meist.

Dr. Ingmar Gergel: Das mag jetzt eine Binsenweisheit sein, aber man kann nur etwas verkaufen, wenn man den Markt kennt und im stetigen Austausch mit den Käufern ist. Dafür muss man sich viel Zeit nehmen und die Bedürfnisse der Zielgruppe ganz genau kennenlernen.

Kontakt: mbits imaging GmbH · Dr. Ingmar Gergel, Geschäftsführer · +49 (0)6221 6734881 · gergel@mbits.info · www.mbits.info