„Wir machen Peptide erstmalig für den industriellen Maßstab verfügbar“

Judith Hillen

Startup Stories

Bislang wurden Peptide nur für wenige, eher hochpreisige Anwendungen genutzt – denn herkömmliche Syntheseverfahren sind teuer und für die Produktion im industriellen Maßstab kaum geeignet. Diesen Zustand will das Münchner Startup mk2 Biotechnologies ändern: Das junge Unternehmen, das Teil des Netzwerks von 5-HT ist, hat eine Plattformtechnologie entwickelt, mit der sich eine große Vielfalt an Peptiden qualitativ hochwertig und skalierbar herstellen lässt.

Welche industriellen Anwendungen davon profitieren können, erklären zwei der drei Gründer, Dr. Konstantinos Antonopoulos und Dr. Sebastian Mangold, im Interview mit 5-HT.

Das Gründer-Team von mk2 Biotechnologies: v.l Dr. Marco Giuman, Dr. Sebastian Mangold, Dr. Konstantinos Antonopoulos

Was ist die Idee von mk2 Biotechnologies?

Konstantinos Antonopoulos: Wir haben eine Plattformtechnologie entwickelt, mit der wir in der Lage sind, auf sehr vorteilhafte Weise Peptide zu produzieren. Mit unserer Technologie können wir nahezu alle Peptide zur Verfügung stellen – und das durchgängig skalierbar. Bisher waren Peptide beispielsweise nur für hochpreisige pharmazeutische Anwendungen erschließbar. Wir machen sie nun erstmalig auch für preissensitivere industrielle non-Pharma-Anwendungen verfügbar.

Warum sollten auch andere Anwendungen verstärkt auf Peptide setzen?

Konstantinos Antonopoulos: Wir haben viele Anwendungen identifiziert, vor allem in den Bereichen Kosmetik, Landwirtschaft und Lebensmittel, aber auch in weiteren Pharma-Bereichen, in denen es Herausforderungen gibt, die mit herkömmlichen Mitteln entweder unzureichend oder gar nicht bewältigt werden können. Peptide haben das Potenzial, viele dieser Probleme zu lösen. Wir denken dabei zum Beispiel an Antibiotikasubstitute, an nachhaltige Pflanzenschutzmittel, an nachhaltige Konservierungsstoffe für Lebensmittel, aber auch an Pharmazeutika gegen Krankheiten wie Krebs oder Aids, die aktuell nur sehr schwer behandelbar oder heilbar sind.

Was sind die bisherigen Probleme mit der Herstellung von Peptiden?

Konstantinos Antonopoulos: Bisher gab es immer einen Pferdefuß. Entweder war man stark eingeschränkt in den Arten von Peptiden, die man produzieren konnte, oder es gab einen Flaschenhals in der Synthese, der die Skalierung und damit die massive Kostenreduktion unmöglich gemacht hat. Wir sind erstmalig dazu in der Lage, das gesamte Anforderungsspektrum zu erfüllen.

Welche Peptide lassen sich mit eurer Technologie synthetisieren?

Sebastian Mangold: Während sich die existierenden Anbieter vor allem auf kurze Peptide mit 2 bis 15 Aminosäuren konzentrieren, können wir auch Peptide mit Längen von über 100 Aminosäuren synthetisieren. Außerdem sind wir dazu in der Lage, Peptide mit beliebigen chemischen Eigenschaften herzustellen. Dabei gewährleisten wir eine hohe Reinheit, die keine Wünsche offenlässt. Diese sehr hohe Qualität unserer Produkte verbinden wir mit wirtschaftlichen Preisen und Skalierbarkeit. So bieten wir ein All-in-one-Paket, das es auf dem Markt noch nicht gibt.

Mit welcher Technologie habt ihr es geschafft, die bestehenden Probleme in der Peptidsynthese zu überwinden?

Sebastian Mangold: Unser dritter Mitgründer, Dr. Marco Giuman, hat sich im Anschluss an seine Promotion mit der Synthese rekombinanter Proteine beschäftigt. Diesen Technologie-Pfad, der für die Herstellung langkettiger Proteine bereits industriell etabliert ist, haben wir so angepasst, dass er nun auch für die Synthese von Peptiden mit kurzer und mittlerer Länge nutzbar und skalierbar ist.

Wie kam es zur Gründung eures Startups?

Sebastian Mangold: Wir drei Gründer haben alle an der TU München promoviert und uns dort im Rahmen der interdisziplinären Graduate School kennengelernt, die die Qualifizierung und Vernetzung von Doktoranden aus unterschiedlichen Fachrichtungen unterstützt. Mit der Hilfe von Coaching-Angeboten haben wir im Rahmen dessen das Potenzial der Technologie herausgearbeitet und daraus einen Businessplan entwickelt.

Unser erster großer Erfolg war eine Förderung durch das Programm „EXIST-Forschungstransfer“, die es uns ermöglicht hat, unsere Technologie im Labormaßstab zu validieren.

An welchem Punkt steht mk2 Biotechnologies aktuell?

Sebastian Mangold: Wir haben vor Kurzem eine Finanzierungsrunde über mehrere Millionen Euro abgeschlossen, die es uns ermöglicht, in den nächsten zwei Jahren nicht nur weiter an unserer Technologie zu arbeiten, sondern auch unser Team zu vergrößern. Mit der Struktur der Investoren sind wir sehr zufrieden, denn wir haben sowohl einen starken Venture-Capital-Fonds mit an Bord als auch mehrere Business Angels, die uns mit ihrer Expertise und ihrem Marktzugang unterstützen können.

In letzter Zeit haben wir uns außerdem ein gutes Netzwerk in den Bereichen Kosmetik, Food & Beverages, Agriculture und Pharma aufgebaut, sodass wir bald die ersten Kooperationen mit Kunden starten können.

Was sind eure nächsten großen Ziele?

Konstantinos Antonopoulos: Zum einen wollen wir unsere Technologie im Labormaßstab weiterentwickeln. Hier haben wir mehrere Innovationen in der Pipeline und sind zuversichtlich, dass wir uns – auch patentrechtlich – noch weiter vom Wettbewerb differenzieren können. Gleichzeitig arbeiten wir an der Skalierung, damit wir bald auch in größerem Maßstab produzieren können.

Sebastian Mangold: Außerdem wollen wir weitere Forschungs- und Entwicklungskooperationen mit Industriepartnern eingehen, um zu identifizieren, welche Produkte auf dem Markt wirklich gebraucht werden. Denn die Anwendungsmöglichkeiten für unsere Plattformtechnologie sind so groß, dass wir erst noch herausfinden müssen, welche Produktkandidaten das größte Potenzial haben.

Wie kann das Netzwerk von 5-HT euch auf eurem weiteren Weg unterstützen?

Sebastian Mangold: Mit dem Fokus auf der Chemie- und Pharmabranche ist das Netzwerk von 5-HT für uns sehr spannend. Wir freuen uns auf den Kontakt zu Unternehmen in diesen Bereichen, die Interesse an einer Kooperation haben oder nach biologischen Lösungen für ihre Herausforderungen suchen. Außerdem sind wir zurzeit auf der Suche nach Verstärkung für unser Team – zum Beispiel nach technischen Assistenten, Absolventen von Studiengängen wie Molekulare Biotechnologie oder Bioverfahrenstechnik, Promovierten mit Laborerfahrung, aber auch nach Studierenden, die gerne im Rahmen einer Abschlussarbeit mit uns zusammenarbeiten möchten.

Konstantinos Antonopoulos: Insgesamt freuen wir uns darüber, im Netzwerk von 5-HT größere Aufmerksamkeit zu bekommen – damit immer mehr Unternehmen wissen, wer mk2 Biotechnologies ist und was wir anzubieten haben.

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