Neugestaltung des Laborbetriebs: Wie UniteLabs das vernetzte Labor der Zukunft aufbaut
Corinna Herrmann
Was braucht es, um ein modernes Labor wirklich zu digitalisieren und zu automatisieren? Beim 5-HT Innovators Club in Karlsruhe begeisterte UniteLabs das Publikum mit einer mutigen Antwort: nahtlose Konnektivität. In unserem Gespräch mit Lukas Bromig und Robert Zechlin, den Co-CEOs und Gründern des Münchner Startups, erfahren wir, wie ihre Plattform Silos abbaut, Arbeitsabläufe koordiniert und es Forschern ermöglicht, sich auf die Wissenschaft statt auf manuelle Aufgaben zu konzentrieren.
Tauchen Sie ein in unser Interview und erfahren Sie, wie UniteLabs sich das Labor von morgen vorstellt – und wie nah es bereits ist.
Wie würdest du einem Fachkollegen in einem Chemie-/Pharmakonzern oder einem anderen potentiellen Kunden eure Lösung in drei Sätzen erklären?
Mit UniteLabs können Sie die Laborautomatisierung wie Software in reinem Python-Code skalieren. Es handelt sich um eine herstellerunabhängige Softwareplattform, die Laborgeräte, LIMS/ELNs und Datensysteme miteinander verbindet, um Experimente und Datenflüsse zu automatisieren. Unser Alleinstellungsmerkmal ist die schnelle, herstellerübergreifende Integration über vorgefertigte Konnektoren, die proprietäre Software durch reines Python ersetzen. Dabei werden Geräte und Arbeitsabläufe in einer API-first-Plattform koordiniert: Schritte konfigurieren, Aufträge ausführen, Proben verfolgen und Ergebnisse automatisch erfassen.
Lukas Bromig nutzt die Lösung von UniteLabs
Welches Problem hat euch zur Gründung motiviert?
Während meiner Promotion in industrieller Biotechnologie an der TUM stieß ich immer wieder auf dasselbe Problem: Laborgeräte und Software konnten nicht miteinander kommunizieren, sodass Teams Monate mit instabilen, einmaligen Integrationen verschwenden mussten. Ich entwickelte einen frühen Prototyp, um Geräte miteinander zu verbinden und eine nachhaltige Integrationsschicht als Grundlage zu schaffen. Die Nachfrage aus Labors und der Industrie war groß, was eine größere Infrastrukturlücke deutlich machte. Robert Zechlin, Julian Willan und ich gründeten UniteLabs, um das Problem der Interoperabilität mit einer herstellerunabhängigen Plattform an der Wurzel zu lösen, die auf Standardisierungsarbeit (z. B. SiLA 2) und den tatsächlichen Problemen in Labors basiert.
Wie überzeugt ihr einen Chemie-/Pharmakonzern oder einen anderen potentiellen Kunden gerade mit euch ein Pilotprojekt aufzusetzen?
Wir machen Labore skalierbar und KI-fähig.
Die traditionelle Laborautomatisierung wurde für die Fertigung entwickelt, nicht für die Wissenschaft. Sie wurde dafür konzipiert, ein einzelnes Ergebnis endlos zu wiederholen. Um sich anzupassen, haben Forscher auf einmalige Sonderlösungen zurückgegriffen, die für isolierte Anwendungsfälle funktionieren, aber in dynamischen wissenschaftlichen Umgebungen, die Flexibilität und schnelle Iteration erfordern, versagen. Das Ergebnis: nicht skalierbare Workarounds, die den Fortschritt verlangsamen.
Das ändern wir mit einer Infrastruktur, die speziell für datengesteuerte Automatisierung entwickelt wurde. Unsere Plattform ersetzt proprietäre Black-Box-Software durch reines Python und ermöglicht so eine bidirektionale Konnektivität zu Laborgeräten und eine API-first-Architektur, die sich nahtlos in jede andere Anwendung integrieren lässt.
Unser skalierbarer Ansatz ermöglicht es Laboren, klein anzufangen, einen Proof of Concept mit einem oder wenigen Instrumenten durchzuführen und mühelos auf die Automatisierung des gesamten Labors oder mehrerer Standorte zu erweitern, oft noch bevor der ursprüngliche POC überhaupt abgeschlossen ist.
Im Gegensatz zu anderen Startups, die geschlossen, nicht skalierbar oder von KI abgekoppelt bleiben, verfolgen wir einen grundlegend neuen Ansatz. Wir arbeiten eng mit Instrumentenherstellern zusammen, um die Kompatibilität sicherzustellen und Garantievereinbarungen bei der Nutzung unserer Technologie aufrechtzuerhalten – etwas, das nur wenige andere bieten können.
Wer sind eure aktuellen Kunden(gruppen) und wer sollen die potenziellen Kunden sein?
Aktuelle Kunden: KI-gesteuerte Biotech-Startups und Scaleups, stark automatisierte Pharmateams und Integratoren/Instrumentenanbieter, die unser herstellerunabhängiges Betriebssystem für Liquid Handling und Workflow-Automatisierung nutzen.
Zielkunden: mittlere bis große Pharma- und Biopharma-Plattformen, CDMOs/CROs, Cloud-Labore und regulierte Labore, die eine herstellerübergreifende Automatisierung und KI-fähige Infrastruktur suchen.
Märkte: Aktiv in den Niederlanden, Belgien und den Vereinigten Staaten mit kostenpflichtigen Implementierungen und Pilotprojekten. Geplante Expansion in ganz Europa und verstärkte Einführung in US-Unternehmen.
Wo seht ihr euch in 3 Jahren und wie kann euch 5-HT unterstützen?
Unser Ziel ist es, Wissenschaftlern die Möglichkeit zu geben, das Potenzial von KI und Automatisierung voll auszuschöpfen und so Entdeckungen zu beschleunigen, die das Leben verbessern.
Unsere Mission ist zwar global ausgerichtet, aber wir möchten auch Innovationen stärken und Unternehmen unterstützen, die die Wissenschaft hier in Deutschland vorantreiben. Während der Veranstaltung haben wir zahlreiche Biofoundry-Initiativen im Ausland erkundet. Mit der richtigen Unterstützung zur Finanzierung ambitionierter Initiativen hat 5-HT die Chance, nicht nur aufzuholen, sondern Deutschland als Vorreiter in der Biotechnologie der nächsten Generation zu etablieren.
Ihr habt im September 2025 am 5-HT Innovators Club teilgenommen. Was ist euer Eindruck von dem Event und was hat euch die Teilnahme (bisher) gebracht?
Fantastische Energie im 5-HT Innovators' Club und ein großes Dankeschön an 5-HT Chemistry & Health und Alex Boeser für ein zeitgemäßes, gut kuratiertes Forum. Die wichtigste Erkenntnis: Jeder möchte Closed-Loop-KI, aber es gibt eine Lücke zwischen den Modellen in der Cloud und der Hardware im Labor. Genau das löst UniteLabs mit einem Betriebssystem, das KI-Protokolle in reproduzierbare Ausführungen umwandelt. Wir haben wertvolle Kontakte geknüpft und werden mit Teams von BASF, Boehringer Ingelheim, Agilent, Zeiss und KIT in Kontakt bleiben.
Robert Zechlin präsentiert UniteLabs beim 5-HT Innovators Club „Lab Digitalization and Automation” 2025 in Karlsruhe
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