Mit der digitalen Hausapotheke Patienten im Therapiealltag helfen

Katharina Kittelberger

Startup Stories

Für Patienten ist es oft herausfordernd, die mit den Ärzten getroffenen Vereinbarungen zu befolgen und die erforderlichen Anpassungen ihrer Gewohnheiten entsprechend umzusetzen. Mit der innovativen App unseres im Jahr 2016 gegründeten Netzwerk-Startups Ligari gehört diese Problematik künftig der Vergangenheit an. Denn dank dieser App können Patienten ihre Medikamente und Therapieabläufe einfach und bequem in einer digitalen Hausapotheke abbilden.   

Simon Pfannemüller, Geschäftsführer, erklärt das Konzept: „Unser Ziel ist es, Patienten bei der Bewältigung ihres Therapiealltags bestmöglich zu unterstützen, medizinische Fachinformationen verständlich zu erklären und so die Compliance und Adhärenz nachhaltig zu fördern.“ 

Simon Pfannemüller, Geschäftsführer von Ligari

Fünf Jahre nach der Gründung ist Ligari an dem Punkt angekommen, an dem die anfänglichen Visionen erfolgreich umgesetzt wurden. Im Interview mit 5-HT gibt Simon spannende Einblicke in ihren bisherigen Entwicklungsverlauf, welche Chancen er in der Kooperation mit 5-HT sieht und wieso auch die Zukunft für Ligari weiterhin spannend sein wird.  

Die Wichtigkeit von Therapiemanagement und -begleitung 

Die Erkenntnis, dass die Themen Therapiemanagement und -begleitung für Patienten enorm hilfreich und entsprechend wichtig sind, sorgte primär dafür, dass sich Ligari von der reinen Hausapothekenverwaltung weg entwickeln wollte. Wie genau, beschreibt Simon: „Unsere digitale Hausapotheke unterstützt all jene Patienten, die viele Medikamente einnehmen oder viele Therapien befolgen müssen, dabei, ihren Therapiealltag besser zu strukturieren und einfacher zu bewältigen.“

Ligari – die digitale Hausapotheke 

Obwohl der Fokus primär auf der Organisation der einzunehmenden Medikamente liegt, so hat die App noch weitere Funktionalitäten, die für den Therapiealltag wichtig sind: „Beispielsweise können Patienten die Kontaktdaten der sie jeweils behandelnden Ärzte hinterlegen oder sich Arzttermine eintragen, an welche die App sie pünktlich erinnert.“

Dabei gibt es so gut wie keine Hürden, die zwischen dem Nutzer und der App stehen. Das bedeutet konkret: Die App ist kostenlos auf allen gängigen Plattformen verfügbar und die Patienten müssen sich zur Nutzung nicht anmelden. Da alle direkt personenbezogenen Daten verschlüsselt und nur auf dem Gerät verarbeitet werden, ist hierdurch eine anonyme Nutzung möglich. Durch diese niedrige Barriere können künftig zentrale Problematiken bewältigt werden, die schon bei einem klassischen Beipackzettel anfangen. Simon weiß: „Auf diesem steht zwar vieles drauf, aber nur wenige verstehen das Geschriebene wirklich.“ Ligari möchte hier für mehr Verständlichkeit sorgen. 

Non-Adhärenz: eine große Herausforderung für alle Beteiligten  

Non-Adhärenz beschreibt die Schwierigkeit von Patienten, ärztliche Handlungsanweisungen zu befolgen und ist laut Simon „nach wie vor ein zentrales Thema im Gesundheitswesen. Halten sich Patienten, mangels ungenauer Informationen über die Anwendung oder die Wirkweise, nicht an eine vereinbarte Therapie, führt das zu vielerlei Problemen an den unterschiedlichsten Stellen.“

Die WHO schätzt, dass bereits ein Jahr nach Therapiebeginn nur noch 50 Prozent aller Patienten die ihnen verschriebenen Medikamente überhaupt einnehmen.

Anders als die derzeitige Hausapothekenverwaltung kann Ligari diese Problematik gänzlich auslöschen. „Ein Medikament kann schließlich nur dann optimal wirken, wenn es richtig eingenommen wird. Um dies zu gewährleisten, stellen wir verschiedene Formate der patientengerechten Informationsvermittlung zu Verfügung. Dazu gehören beispielsweise Animationen oder Videos, mit denen wir Patienten deren jeweilige Therapie näherbringen, erklären wozu genau diese dient und wie diese richtig umgesetzt wird. Denn letztlich kann die Akzeptanz der eigenen Therapie nur durch Verständnis gesteigert werden“, erklärt Simon. Zwar werden diese Formate derzeit nur für ausgewählte Präparate angeboten, doch eine umfassende Ausbreitung dieser patientengerechten Informationsvermittlung ist bereits in Planung. 

Mit dem Medikationsplan von Ligari sind alle Medikamente übersichtlich und stets griffbereit in einer App zusammengefasst. Dieser kann auch bei Arztbesuchen vorgezeigt werden

Somit bleiben Fragen wie „Wann habe ich Medikament XY eingenommen?“, „Was habe ich aktuell noch vorrätig?“, oder „Was sind die Hintergründe meiner Therapie?“ künftig nicht mehr unbeantwortet. „Zusammenfassend möchten wir gemeinsam mit den Unternehmen, mit denen wir zusammenarbeiten, den Patienten ihre Therapie näherbringen.“  

Nicht nur Patienten profitieren von der Ligari-App   

„Selbstverständlich haben auch die Produkthersteller ein Interesse daran, dass die Patienten deren Medikamente richtig einnehmen. Deswegen ermöglichen wir es den Herstellern, im Rahmen gesetzlicher Vorgaben sowie dem großen Trend der „Patient Centricity“ (dt. Patientenzentriertheit), direkt mit ihren Patienten zu kommunizieren. Darüber hinaus ist auch die Rolle der Ärzte entscheidend, denn diese erhalten durch den Medikationsplan der Patienten schnell einen Überblick“, erklärt Simon. „Auf der technischen Seite möchten wir diese auch in Zukunft noch mehr einbinden“, fügt er hinzu. 

Aktuell arbeitet Ligari mit einigen der führenden Pharmaunternehmen der Branche in entsprechenden Projekten zu verschreibungspflichtigen Medikamenten zusammen. Weil die App nahezu alle Bereiche des Therapiealltags der Nutzer abdeckt, sind für das Startup auch nahezu alle im Gesundheitsbereich tätigen Unternehmen interessant. 

Klarheit, auch wenn der Arzt nicht anwesend ist

Grundsätzlich ist der Arzt noch immer der Mittelpunkt der Therapie - und den möchte Ligari auch in keinster Weise ersetzen. Vielmehr soll die App dazu dienen, nach dem Arzttermin das upzudaten, was besprochen wurde: „Eben genau dann, wenn der Patient Zuhause ist und den Arzt nicht mehr physisch an seiner Seite hat – genau an diesem Schritt in der Therapie wollen wir für Klarheit sorgen“, betont Simon. 

An folgendem Beispiel erläutert er die Technik hinter einer typischen Nutzungssituation: „Generell ist auf jeder Medikamentenverpackung ein Pharmazentralcode (PZN-Code) aufgedruckt. Nachdem der Patient nun sein Medikament in der Apotheke erhalten hat, kann er dieses in der App einscannen und unsere Datenbank generiert und hinterlegt automatisch die jeweiligen Informationen über das Medikament - womit der Patient es nicht mehr manuell tun muss. Natürlich kann er aber auch selbst Aspekte ergänzen, und beispielsweise das Ablaufdatum angeben, sich Notizen machen oder, bei einem in der Familie genutzten Medikament wie Aspirin, angeben, wer wie viel eingenommen hat.“ 

Zukunftsausblick: Pläne und Chancen von der Zusammenarbeit mit 5-HT 

„Für uns ist Nutzerfeedback sehr wertvoll, weswegen wir unsere weitere Entwicklung auch primär hierauf aufbauen. Aktuell wurden aufgrund von Nutzerwünschen Funktionalitäten integriert, wie beispielsweise die Hinterlegung des Impfpasses in der App. Doch in Zukunft möchten wir unsere Plattform auf spezialisierte Bereiche ausbauen, möglich wäre hier das Thema Diabetes. In diesem Zusammenhang erhoffen wir uns auch weiterhin Partner gewinnen zu können, umso gemeinsam weitere interessante Projekte voranzutreiben.“ 

Für Ligari war COVID-19 eine Chance, weil dadurch generell ein verstärkter Fokus auf der digitalen Weitergabe von Informationen gelegt wurde.

Insbesondere erhofft sich Simon von der Zusammenarbeit mit 5-HT, „dass wir an eurem Netzwerk partizipieren können. Damit ist nicht nur das Knüpfen von interessanten Kontakten oder der Erhalt von passenden Informationen gemeint, sondern auch die mögliche Zusammenarbeit mit Netzwerkmitgliedern. Darüber hinaus legen wir viel Wert auf Erfahrungswerte in diesem Bereich. Denn aufgrund unserer bisherigen Eigenfinanzierung haben wir uns bisher wenig Gedanken über die Kreierung eines Pitch-Decks gemacht, oder darüber, wie man sich gegenüber einem Investor am besten vorstellt. 

Hier ist es interessant für uns, auf eure Expertise zurückgreifen zu können“, fasst er zusammen. 

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