Mit dem Smartphone das Sehvermögen stärken – Digitaltherapie bei progressiver Kurzsichtigkeit

Ronja Schrimpf

Startup Stories

Gerade Kinder und Jugendliche verbringen immer mehr Zeit mit dem Smartphone oder beim Lesen. Das hat auch für die Augen erhebliche Konsequenzen: Während in Deutschland immerhin 25-35 Prozent der jungen Erwachsenen bereits von Kurzsichtigkeit betroffen sind, sind es im asiatischen Raum mehr als 80 Prozent. Für die Gründer von Dopavision, Dr. Hamed Bahmani und Stefan Zundel, war klar: Es braucht Lösungen bereits im Kindesalter, die Spaß machen. Die Idee von Dopavision war geboren.

Im Interview mit 5-HT erzählt Mitgründer und Geschäftsführer Stefan Zundel, wie Dopavision mit einem Smartphone die Augen stärken und Kurzsichtigkeit bekämpfen will.

Mit der im Frühjahr 2021 abgeschlossenen Serie A-Finanzierungsrunde in Höhe von 12 Millionen Euro will Dopavision weiterwachsen und die digitale Therapie für Myopie bei Kindern durch klinische Studien validieren.

Das Team hinter Dopavision

Warum Digitalisierung im Gesundheitssektor voll im Trend ist:

„Digitale Gesundheit liegt nicht nur seit der Corona-Pandemie voll im Trend“, erklärt Stefan Zundel, „Es ist nötig, im Bereich Gesundheit Innovationen voranzubringen und es gibt jede Menge Aufholbedarf.“ 

Als sich Dr. Hamed Bahmani und Stefan Zundel im Rahmen von Flying Health – einem Berliner Unternehmen, das sich als Ökosystem für Digital Health und Digital Drugs versteht – kennenlernten, formte Hamed aus diesem Ökosystem heraus 2017 die Idee für Dopavision, der sich Stefan wenig später mit Begeisterung anschloss. Dopavision ist ausgerichtet auf eine ganz spezielle Art der Digitalisierung im Gesundheitsbereich: „Wir entwickeln eine Digitaltherapie gegen progressive Kurzsichtigkeit bei Kindern und Jugendlichen. Diese Digitaltherapie – wir nennen sie intern MyopiaX® – wird mittels einer App für das Smartphone durchgeführt.“

Warum Digitalisierung bei Therapien gegen progressive Kurzsichtigkeit wichtig ist:

Immer mehr Menschen tragen eine Brille – sehr viele aufgrund von Kurzsichtigkeit. Gerade in den letzten Jahren ist progressive Kurzsichtigkeit zum Problem geworden, denn schon in jungen Jahren verbringen Kinder viel Zeit mit Lesen und vor dem Bildschirm. „In Asien sind in den hochindustrialisierten Ländern über 80 Prozent aller jungen Erwachsenen kurzsichtig. Das sind sehr hohe Prävalenzen. In Deutschland sind es immerhin noch 25 bis 35 Prozent. Nach neuesten Daten aus China sind Kurzsichtigkeitsraten in der Pandemie bei Kindern sogar noch weiter gestiegen. Eine hohe Kurzsichtigkeit kann langfristig ernsthafte Effekte haben: Sie erhöht zum Beispiel das Risiko für spätere Folgeerscheinungen wie Netzhautablösung oder myopische Makuladegeneration.“

„Das Aufhalten der Progression bei Kindern und Jugendlichen ist der vielversprechendste Behandlungsansatz gegen Kurzsichtigkeit, der im Moment eingesetzt wird. Dadurch wird die Lebensqualität verbessert und das Risiko für spätere Folgeerscheinungen gesenkt, und genau dazu möchten wir mit unserer Therapie beitragen.“ 

Welche Vorteile MyopiaX® bietet: 

„Wir entwickeln eine App, die mittels eines Smartphones angewendet wird und mit einem Spiel oder anderem Content wie z.B. Lerninhalten kombiniert werden kann. Während der Nutzung durch den Patienten wird ein speziell entwickelter Lichtstimulus gesendet, der bestimmte Nervenzellen auf der Netzhaut im Auge stimuliert. Diese Stimulation löst einen Anstieg des Neurotransmitters Dopamin aus, der wiederum für das korrekte Wachstum des Auges eine wichtige Rolle spielt.“ 

Warum Asien ein besonders interessanter Markt für Dopavision ist – und warum Deutschland nachziehen sollte:

Nicht nur lebt der größte Teil aller jungen Erwachsenen in den hochindustrialisierten Ländern Asiens mit progressiver Kurzsichtigkeit – im Vergleich zu Deutschland beginnt die Kurzsichtigkeit zudem schon in sehr viel jüngeren Jahren. Aber nicht nur deswegen ist diese Region für Dopavision mindestens genauso interessant wie Deutschland: „Wir haben im asiatischen Raum ein sehr viel größeres Problembewusstsein für progressive Kurzsichtigkeit – und dass man dagegen auch schon bei sehr jungen Kindern intervenieren sollte. Das ist in Deutschland längst nicht der Fall. Natürlich bekommt in Deutschland jedes kurzsichtige Kind eine Brille, aber weitere Behandlungsmöglichkeiten auszunutzen, vor allem auch gegen die Progression von Kurzsichtigkeit, dieser Gedanke ist in Deutschland noch nicht weit verbreitet.“

Dennoch legt sich Dopavision auf keinen Markt fest: „Momentan sind wir mitten in der Entwicklung. Dieses Jahr starten wir eine klinische Studie in verschiedenen europäischen Ländern mit dem Ziel, die notwendigen Daten für eine entsprechende CE-Zertifizierung zu generieren. Aufgrund der hohen Prävalenzen ist Asien aber ein sehr interessanter Markt für uns, in den wir auch möglichst rasch vorstoßen wollen.“ Erste Kontakte seien bereits geknüpft, doch die Situation um COVID mache den Austausch nicht gerade leicht.

Warum sich Erfahrung bezahlt macht:

„Wir sind von vier Personen auf inzwischen zehn Personen im Team gewachsen. Es war spannend, aber auch herausfordernd, ein Team während einer Pandemie aufzubauen, vor allem da man sich fast nie persönlich sieht. Die Gründer von Dopavision sind Hamed – ein erfahrener Neurowissenschaftler – und ich, der aus dem wirtschaftlichen Bereich kommt. Wir haben in den letzten Jahren daran gearbeitet, das Team mit Kolleginnen und Kollegen in den Bereichen Tech Development, Science und Clinical Studies zu verstärken. Aktuell suchen wir weiterhin Verstärkung, vor allem im Digital Product Management, also der Weiterentwicklung unserer App – wer aus dem Bereich kommt und sich für Digital Health begeistert, sollte auf jeden Fall mit uns Kontakt aufnehmen.

„Wir haben ein tolles und motiviertes Team mit viel Erfahrung, mit dem es jeden Tag Spaß macht zu arbeiten. In der klinischen Entwicklung ist das auch nötig, da die Entwicklung und klinische Validierung von Medizinprodukten natürlich reguliert und dadurch einigermaßen komplex ist – da macht es sich bezahlt, die entsprechende Erfahrung im Team zu haben.“

Warum Dopavision mit 5-HT wachsen will:

Um sich mehr austauschen zu können, ist Dopavision außerdem Teil von 5-HTs Netzwerk. „Von 5-HT erhoffen wir uns Kontakte, Austausch und Mentoring Sessions. Besonders interessant sind auch die Vernetzungsangebote, die zum Beispiel mit Krankenkassen organisiert werden.“ 

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