Informationsmanagement durch IoT Sensorik - endlich Transparenz in der Lieferkette

Laura Diez

Startup Stories

Technologie ist ein wichtiger Faktor für die Weiterentwicklung globaler Lieferketten. Auch die Lieferketten von Intermediate Bulk Containern (IBC), in denen flüssige Güter weltweit transportiert werden, können von technologischem Fortschritt profitieren. Doch viele Unternehmen setzen noch immer auf manuelle Prozesse zur Nachverfolgung und Zustandsanalyse der IBC. Aufgrund der fehlenden Konnektivität durch Technologie ist die Zustandskontrolle von Containern und darin transportierten Produkten oft mit hohen Kosten und einem großen Zeitaufwand verbunden. Das bedeutet auch, dass wichtige Informationen, zum Beispiel zum aktuellen Standort, zur Füllmenge oder zur Temperatur außerhalb des Containers, digital nicht erfasst werden können. 

Genau hier möchte Maximilian Drechsler ansetzen. Im Interview mit 5-HT erzählt der Gründer und CEO von vitreo, wie sein Startup es sich zur Aufgabe gemacht hat, IBC Supply Chain Management mithilfe von IoT-Sensoren zu optimieren. Max Drechsler möchte Unternehmen dabei unterstützen, schnell und unkompliziert Einblicke in ihre eigenen IBC-Lieferketten zu erhalten. 

Maximilian Drechsler, Co-Founder & CEO von vitreo  

Vom Transportgebinde zur Informationsquelle 

„Eine der größten Herausforderungen in der Chemieindustrie ist heute die mangelnde Transparenz und effektive Verwaltung ihrer Lieferketten. Vor meiner Zeit als Gründer habe ich über 10 Jahre in der Branche gearbeitet.” erzählt Drechsler. „Als Produktmanager waren Edelstahl IBC ein wichtiger Teil meiner Transportgebinde, ich wusste allerdings nie genau, wo die Container sich gerade befinden oder wann sie leer waren. Es bestand zwar ein kontinuierlicher Produktfluss über die IBC, der Informationsfluss fehlte aber vollkommen. Informationen habe ich nur erhalten, wenn ich mich telefonisch oder per Mail mit dem Kunden in Verbindung gesetzt habe.” Dieses Vorgehen war aufwendig und führte immer wieder zu Verzögerungen. Drechsler fing an, nach einer anderen Lösung zu suchen: “Fällt mir Freitagnachmittag auf, dass ich eine bestimmte Information benötige, kann es herausfordernd werden, einen Ansprechpartner vor Ort oder beim Kunden zu finden und ich verliere wertvolle Zeit. 

Da die Welt immer komplexer wird, werden auch Lieferketten immer stärker fragmentiert, und es besteht die Notwendigkeit dynamischer Abläufe, um ein höheres Produktivitätsniveau zu erreichen, das Differenzierung und Innovation fördert.

Die Idee zu vitreo entstand schließlich in Zusammenarbeit mit dem Venture Studio Next Big Thing AG, das sich auf Lösungen der Maschinenwirtschaft wie zum Beispiel IoT, Blockchain und AI spezialisiert hat. “Die Kollaboration mit NBT war ein Glücksgriff”, erklärt Max Drechsler. “Vor allem in der Chemiebranche gibt es viele Arbeitsabläufe und Prozesse die sich seit Jahren bewährt haben, jedoch werden bereits verfügbare Technologien noch nicht genutzt um diese zu verbessern. Innovative Ideen werden lange aufgeschoben. In der Zusammenarbeit mit NBT habe ich gemerkt, welches Potenzial in Technologie steckt. Bestehende Praktiken können ohne Risiko geprüft werden und neue Ideen finden schnell den Weg in reale Anwendungen.”

Vitreo entwickelt den „single point of truth“ für sämtliche Informationen, die innerhalb einer IBC Lieferkette anfallen – jederzeit verfügbar für alle wichtigen Akteure. Die Lösung besteht aus einem IoT Sensor, der unkompliziert und nicht-intrusiv an IBC angebracht werden kann und alle Zustandsdaten über eine einfache und sichere Softwarelösung abrufbar macht. 

„Wir machen die bisher unbekannten und ungenutzten Daten verfügbar, reduzieren dadurch Risiken und erhöhen die Effizienz, Widerstandsfähigkeit und Verlässlichkeit von Lieferketten für alle Beteiligten. Damit können Informationen über Zustand, aktuelle Position, Bestand und Absatz der IBC im eigenen Unternehmen oder beim Kunden auf simple Weise abgerufen werden. In der Vergangenheit waren IBC nur ein Transportgebinde, mit Hilfe von vitreo entsteht eine Einheit, die mir wertvolle Daten und Informationen liefert,“ erklärt Max Drechsler die Lösung seines Startups.   

vitreo sucht nach Pionieren für nächste Schritte

„Die Grundpfeiler von vitreo sind Mut, Überzeugung und Unternehmertum. Wir wollen zukunftsorientierte und kollaborative Lösungen entwickeln, die auf nachhaltige Weise einen Mehrwert für unsere Kunden und deren Kunden generieren. Unser Ziel: Prozessoptimierung und Automatisierung von Lieferketten auf Basis neuester Technologie, um langfristige Wettbewerbsfähigkeit und ökologische Nachhaltigkeit zu manifestieren.“ erklärt Max Drechsler. 

Die Vision von vitreo ist es IBC-Lieferkettenprozesse effizienter und zuverlässiger zu gestalten. Das Start-up nutzt die neuesten Technologien der Maschinenwirtschaft, um bisher ungenutzte Informationen verfügbar zu machen. Vitreo bietet unkomplizierte Lösungen für jedes Unternehmen, das mit IBC arbeitet. Mithilfe von vitreo bekommt der Kunde Zugriff auf ein kollaboratives Netzwerk sämtlicher IBC Daten seiner Lieferkette.

„Wir sind zurzeit auf der Suche nach Pionieren, die unsere Vision teilen und sie mit uns in die Realität umsetzen,“ beschreibt Drechsler die aktuelle Suche nach potenziellen Kunden von vitreo. In der Suche nach Vorreitern sieht der junge Unternehmer eine der größten Herausforderungen für das Start-up: „Wir sind gut darin, Prozesse zu verstehen, zu analysieren und unsere Lösungen zielorientiert auszurichten. Um uns weiterzuentwickeln, brauchen wir aber Unternehmer, die bereit sind, sich für neue Technologien zu öffnen. Menschen, die sich gemeinsam mit vitreo neuen Herausforderungen stellen möchten, um ihre Prozessabläufe langfristig zu verbessern.“ 

IoT-Sensorik – Daten verstehen, analysieren und hinterfragen mithilfe von vitreo 

Die IoT Sensorik im Einsatz

Die vitreo IoT Technologie vereint mehrere Sensoren mit unterschiedlichen Funktionen. Neben einem Umgebungssensor, der zum Beispiel Temperaturdaten misst, wird ein Radarsensor für die Füllstandsmessungen eingesetzt. GPS sorgt für die Ortung und NB-IoT dient dazu, den Sensor über das Telekommunikationsnetzwerk mit der Software zu verbinden. Dadurch erhält der Kunde unmittelbar digitalen Zugriff auf alle Daten, die mithilfe der IoT Sensorik erfasst wurden. 

Die vitreo Software verarbeitet die erfassten Daten im Hintergrund und stellt sie zielgruppengerecht zur Verfügung. Vitreo analysiert und wertet die Daten langfristig aus. Dadurch lassen sich bestehende Prozesse bewerten und optimieren.

Die vitreo IoT Lösung hilft so auf unkomplizierte Weise, Ineffizienzen in Prozessen aufgrund von Informationsmangel zu vermeiden. Da dem Kunden die Informationen in Echtzeit über ein Dashboard zur Verfügung stehen, können auf Basis der aktuellen Daten auch Echtzeit-Aktivitäten geplant werden. Dies ermöglicht ein proaktives Management von Lieferketten.  

Sichtbarkeit durch Sensortechnologie  

Der Einsatz der intelligenten Sensortechnologie erhöht die Sichtbarkeit von Daten innerhalb industrieller Lieferketten. Die mithilfe der vitreo Sensortechnologie gesammelten Daten werden von Software analysiert und aufgearbeitet. Durch die Datenanalyse entstehen konkrete Handlungsempfehlungen. In einem digitalen Dashboard kann der Nutzer sämtliche Daten abrufen und zum Beispiel Transportabläufe einsehen. Mithilfe der aufbereiteten Informationen kann er direkte Entscheidungen treffen, ohne dass lange Kommunikationswege den Informationsfluss verlangsamen. 

„Als Supply Chain Manager kann ich zum Beispiel gesamte Lieferungen in IBC hinterlegen und nachverfolgen. Dank neuer Datenpunkte, die zum Beispiel eine Zustandsanalyse meiner gesamten IBC aufzeigen, habe ich nachvollziehbare und belegbare Informationen über die gesamte Lieferkette.“ erklärt Maximilian Drechsler. 

Der Unternehmer kennt die Branche. Er weiß, welche Rolle ein kollaboratives Wettbewerbsumfeld und das Zusammenspiel mit der Industrie für eine gemeinsame Entwicklung von Lösungsansätzen spielen: „Die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmern bietet vitreo die Möglichkeit, uns und unsere Lösungen deutlich schneller zu entwickeln. Das Ökosystem als Ganzes profitiert nur, wenn alle an einem Strang ziehen.“  

Unternehmensgründung während einer Pandemie – Ein Rat für Gründer 

„Der wichtigste Rat, den ich als Gründer geben kann, ist Vertrauen in sich selbst zu haben. Der Wille, etwas zu verändern und das Vertrauen in sich selbst sind eine ideale Kombination für erfolgreiche Gründungen. Zudem ist es wichtig, sich im ständigen Austausch mit potenziellen Kunden und Partnern zu befinden, um dann genau das umzusetzen, was auch tatsächlich Mehrwert generiert. Wegen der Corona-Pandemie sind mir als Freelancer alle Projekte weggefallen. Genau in solch einer Situation muss man mutig sein und über seinen eigenen Schatten springen - in meinem Fall habe ich mich einfach getraut, den richtigen Partner mit der Next Big Thing AG gefunden und vitreo gegründet.” 

5-HT Digital Hub – Ein starker Partner für vitreo 

Vitreo ist auf der Suche nach Partnern aus dem 5-HT-Ökosystem, die daran interessiert sind, neueste Technologien für gesellschaftliche Verbesserungen zu nutzen. „Was für mich sehr spannend ist, ist zum einen die Reichweite, aber vor allem die Diversität im Netzwerk von 5-HT,“ beschreibt Max Drechsler seine Motivation, Teil des Ökosystems zu werden. „Gerade als Start-up ist es eine enorme Herausforderung, die richtigen Partner zu finden. Wir bieten die Möglichkeit, an einer neuen Lösung mitzuarbeiten.”

Vitreo ist auf der Suche nach Kollaborationen. Das Start-up will Partner und Unterstützer finden, die vom Mehrwert von Technologielösungen überzeugt sind. Das Ziel von vitreo ist es, die IoT Lösung in der Branche bekannter zu machen, sie in der Breite nutzbarer zu gestalten, sie langfristig zu verbessern und für die individuellen Herausforderung in der jeweiligen Industrie auszurichten. 

“Künftig kann jede Art von Transportmedium mit unseren Lösungen ausgestattet und erweitert werden.“ fasst Drechsler zusammen.

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