HELP – Chronische Schmerzen neu denken und ursachenorientiert behandeln
Corinna Herrmann
Chronische primäre Schmerzen zählen zu den größten, aber am wenigsten effektiv adressierten Herausforderungen in unserem Gesundheitssystem. Lange Wartezeiten, begrenzte ärztliche Ressourcen und ein oft rein biomedizinischer Fokus führen dazu, dass Betroffene ihre Schmerzen managen – aber selten nachhaltig verändern.
In unserer neuen 5-HT Startup Story sprechen wir mit Dr. Antje Kallweit, Gründerin und CEO der HELP Mee Schmerztherapie GmbH aus Hamburg. Mit HELP hat sie ein digitales Medizinprodukt entwickelt, das chronische primäre bzw. noziplastische Schmerzen ursachenorientiert behandelt – auf Basis evidenzbasierter neuroplastischer Verfahren wie Pain Reprocessing Therapy und EAET.
Wir haben mit ihr über Versorgungslücken, Pilotprojekte mit Kostenträgern, internationale Perspektiven und ihre Eindrücke vom 5-HT Event Insuring Digital Health gesprochen.
Wie würdest du einem Fachkollegen aus dem Gesundheitsbereich eure Lösung in drei Sätzen erklären?
HELP ist ein digitales Medizinprodukt (App), das chronische primäre Schmerzen ursachenorientiert behandelt statt sie nur zu managen.
Der USP liegt in der strukturierten digitalen Umsetzung evidenzbasierter neuroplastischer Verfahren (Pain Reprocessing Therapy und EAET).
Über Schmerzedukation, Reattribution, Exposition und Emotionsverarbeitung lernen Nutzer:innen in 90-Tagen, den Angst-Schmerz-Kreislauf gezielt zu durchbrechen und zentrale Schmerzverarbeitungsprozesse nachhaltig zu verändern.
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HELP Screenshots
Welches Problem hat euch zur Gründung motiviert?
Die Gründung von HELP wurde durch eine Versorgungslücke motiviert, die ich täglich in der schmerztherapeutischen Praxis erlebt habe: zu wenig Zeit für komplexe chronische Schmerzpatient:innen, lange Wartezeiten und ineffektive biomedizinische Behandlung. Gleichzeitig zeigten aktuelle neurobiologische Erkenntnisse und Verfahren wie Pain Reprocessing Therapy und EAET, dass chronischer primärer Schmerz gezielt veränderbar ist – diese Ansätze waren jedoch im deutschsprachigen Raum nicht verfügbar. HELP ist aus dem Anspruch entstanden, diese evidenzbasierten Methoden zeit- und ortsunabhängig vielen Menschen zugänglich zu machen und ärztliche Zeit dort einzusetzen, wo sie wirklich gebraucht wird.
Dr. Antje Kallweit (l.), Annika Bruhns-Petersson (r.)
Wie überzeugt ihr einen Pharmakonzern, eine Krankenkasse, eine Versicherung oder einen anderen potenziellen Kunden gerade mit euch ein Pilotprojekt aufzusetzen?
HELP adressiert eine klar definierte Versorgungslücke und bietet dafür eine belastbare, differenzierte Lösung. HELP richtet sich gezielt an Patient:innen mit chronischen primären/noziplastischen Schmerzen – eine große, kostenintensive und bislang unzureichend versorgte Gruppe. Im Unterschied zu vielen digitalen Angeboten, die auf Symptommanagement, Akzeptanz oder allgemeines Wohlbefinden zielen, verfolgt HELP einen ursachenorientierten Ansatz mit dem expliziten Ziel, zentrale Schmerzverarbeitungsprozesse nachhaltig zu verändern.
Unser USP liegt in der strukturierten digitalen Umsetzung evidenzbasierter neuroplastischer Verfahren wie Pain Reprocessing Therapy und EAET, die bislang weder in bestehenden DiGA noch in der Regelversorgung systematisch verfügbar sind. HELP ist ärztlich entwickelt, klinisch fundiert und klar indikationsspezifisch – kein Lifestyle-Produkt, sondern ein medizinisches Versorgungstool.
Für Krankenkassen und Versicherungen bedeutet ein Pilotprojekt mit HELP die Chance, hohe Folgekosten durch Chronifizierung, Überdiagnostik und Medikation zu reduzieren. Für Pharmaunternehmen bietet HELP eine komplementäre, nicht-pharmakologische Therapieoption, die Therapietreue, Selbstwirksamkeit und langfristige Outcomes verbessert, ohne in Konkurrenz zu bestehenden Produkten zu treten. HELP bietet Mehrwert für Versorgung, Patienten und Kostenträger.
Wer sind eure aktuellen Kunden(gruppen) und wer sollen die potenziellen Kunden sein?
Aktuell richtet sich HELP primär an erwachsene Patient:innen mit chronischen primären/noziplastischen Schmerzen im deutschen Markt – zunächst im Selbstzahlermodell sowie im Rahmen laufender Pilotprojekte und Studien. Parallel adressieren wir Ärzt:innen, Schmerzambulanzen und Kliniken, die HELP als ergänzendes oder poststationäres Versorgungselement einsetzen. Zu den potenziellen Kundengruppen zählen gesetzliche und private Krankenkassen, Pharmaunternehmen sowie Versorgungseinrichtungen, die evidenzbasierte, skalierbare Lösungen zur Reduktion von Chronifizierung suchen. International ist HELP derzeit auf den deutschsprachigen Raum fokussiert. Eine internationale Expansion ist geplant.
Wo seht Ihr euch in 3 Jahren und wie kann euch 5-HT unterstützen?
In 3 Jahren sehen wir HELP als fest etablierten digitalen Baustein in der Regelversorgung chronischer primärer Schmerzen – mit belastbarer Wirksamkeitsevidenz und breiter Nutzung durch Krankenkassen, Kliniken und Ärzt:innen. International streben wir erste Markteintritte in ausgewählten europäischen Ländern an. 5-HT kann uns dabei unterstützen, indem es strategische Partnerschaften öffnet, Pilotprojekte beschleunigt und den Zugang zu relevanten Akteur:innen im Gesundheitsökosystem ermöglicht.
HELP Team
Ihr habt im Oktober 2025 am Insuring Digital Health teilgenommen. Was ist euer Eindruck von dem Event und was hat euch die Teilnahme (bisher) gebracht?
Insuring Digital Health hat uns einen sehr gezielten und qualitativ hochwertigen Austausch mit Entscheider:innen aus Versicherungen, Krankenkassen und Digital Health ermöglicht. Besonders wertvoll war die inhaltliche Tiefe der Gespräche, in denen es weniger um Visionen, sondern um konkrete Versorgungsmodelle und Implementierungsfragen ging. Die Teilnahme hat zu mehreren vertiefenden Gesprächen und Follow-ups geführt. Darüber hinaus war das Event für uns ein wichtiger Reality-Check, dass HELP mit seinem ursachenorientierten Ansatz eine reale, klar verstandene Versorgungslücke adressiert.
Dr. Antje Kallweit, CEO und Founder von help, auf der Veranstaltung 5-HT Insuring Digital Health im Oktober 2025 in Mannheim
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