Helmholtz - Fokus auf Transfer und Innovationsbereitschaft

Laura Reich Diez

Allgemein

Am 31. August 2021 jährte sich der Geburtstag von Hermann von Helmholtz zum 200. Mal. Anlässlich des Jubiläums stehen in diesem Jahr zahlreiche Aktivitäten der Helmholtz-Gemeinschaft unter dem Motto „200 Jahre Helmholtz – Inspired by challenges“. Im Interview mit 5-HT Digital Hub Chemistry & Health spricht Julian Alexandrakis, Referent im Bereich Transfer und Innovation der Helmholtz Gemeinschaft über die Institution Helmholtz, ihre Innovations- und Förderprogramme sowie die Erfolgsgeschichte von Osteolabs, einer erfolgreichen Ausgründung von Helmholtz Enterprise.

 Julian Alexandrakis, Referent im Bereich Transfer und Innovation der Helmholtz Gemeinschaft (Credit: Helmholtz/David Ausserhofer)

 

Die Helmholtz Gemeinschaft besteht aus 18 Forschungszentren, die sich über die gesamte Bundesrepublik verteilen und in sechs unterschiedlichen Forschungsbereichen zusammenarbeiten. Aufgabe der Helmholtz-Gemeinschaft ist langfristige Forschungsziele des Staates und der Gesellschaft zu verfolgen. Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Materie sowie Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr.

„Meine Aufgabe bei Helmholtz ist es den Transfer und die Innovationsbereitschaft zu fördern. Dabei unterstützen wir die Forschungszentren aus unserer Geschäftsstelle heraus beispielsweise durch Förderprogramme in den Bereichen Validierung oder Ausgründung,“ erzählt Alexandrakis. Die Helmholtz Gemeinschaft legt besonderen Wert auf den Auf- und Ausbau einer Transferkultur innerhalb der Gemeinschaft. Diese Kultur ergibt sich aus dem komplexen Zusammenspiel von Werten & Normen, Verhaltensmustern, Strategien und Anreizen, die den Transfer befördern. Durch die Verbreitung von Wissen und die unternehmerische Verwertung wirtschaftlich relevanter Ergebnisse leisten die Helmholtz-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen wichtigen Beitrag zur Innovationsfähigkeit in Deutschland.

„Mit internen Förderprogrammen und Veranstaltungsformaten unterstützen wir die Forscher und Innovations- und Transfermanager an den Helmholtz-Zentren, Forschungsergebnisse auf ihr Transferpotential hin zu überprüfen und, so aussichtsreich, in die Anwendung zu bringen. Die Programme reichen von der Sensibilisierung für Transferthemen bis hin zur Förderung von Ausgründung- und Validierungsprojekten,“ erklärt Alexandrakis das Spektrum der Förderprogramme.

„Durch Entrepreneurship education versuchen wir den Zentren die Möglichkeit zu eröffnen noch stärker ihre Mitarbeiter bzw. Forscher für das Thema Gründung und Innovation zu sensibilisieren und auch aktivieren. Das heißt nicht, dass wir jeden einzelnen dazu missionieren wollen aus seiner Grundlagenforschung heraus ein Gründer zu werden. Dennoch sehen wir Potential innerhalb unserer Gemeinschaft. Wir haben insgesamt über 9.000 PhDs und insgesamt knapp 43.000 Mitarbeiter:innen Da steht die Chance, dass ein Steve Jobs darunter ist, gar nicht so schlecht. Deshalb bieten wir auch in diesem Bereich viele Workshops an. In diesen Workshops geht es grundsätzlich darum eine unternehmerische Denkweise zu erlangen und erste Berührungspunkte mit dem Thema Gründung zu machen. Entrepreneurship education ist sozusagen der Startpunkt der Innovation- und Transferpipeline, um die Leute erst mal zu aktivieren und ihnen eine Alternative zum klassischen Karriereweg eines Forschers aufzuzeigen. Wen wir weiterbegleiten dürfen, begleiten wir dann über das Helmholtz Enterprise Programm.“

Helmholtz Enterprise

Das Ausgründungsprogramm Helmholtz Enterprise fördert die unternehmerische Tätigkeit und die Ausgründungsideen, von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in der Helmholtz Gemeinschaft, die das Potenzial haben, sich auf dem Markt erfolgreich zu bewähren. Helmholtz Enterprise besteht aus zwei eigenständigen Modulen, die unabhängig voneinander beantragt werden können. Seit der Einrichtung von Helmholtz Enterprise im Jahr 2005 haben 167 Gründungsprojekte von der Initiative profitiert. Davon wurden mehr als 95 Projekte erfolgreich gegründet, von denen 83 Prozent noch heute am Markt agieren

Field Study Fellowship – Anwendungspotential einer Forschung testen

Das Field Study Fellowship finanziert den Zentren bzw. deren Instituten ein Budget für Personal- und Sachkosten, um Kundenbedürfnisse durch Interviews und Marktrecherche herauszufinden.

„Im Field Study Fellowship kann man sich ausprobieren. Wir finanzieren dem Forscher oder der Forscherin über drei Monate hinweg die Arbeitsstelle und stellen ihnen einen Mentor zur Seite. Das ist natürlich jemand, und da sind wir besonders stolz drauf, der sehr viel Gründungserfahrung hat, und diesen Schritt aus der Wissenschaft in die Wirtschaft schon gegangen ist. Den Mentor paaren wir für 3 Monate mit dem Fellow. In dieser Zeit kann der Fellow mit ganz vielen Kunden sprechen, um den Markt auf die Passfähigkeit seiner Idee zu prüfen. Das stärkt einen natürlich mit Blick auf die eigene Technologie und fördert das klassische out-of-the-box Denken, das man in Startups braucht. Ca. 50% dieser Fellows beantragen eine Förderung in unserm Spinn-off Modul mit dem langfristigen Ziel einer Ausgründung. Jährlich haben wir 8-10 Teams, die wir aktiv in der Ausgründung fördern, sowohl finanziell als auch institutionell. Das reicht von Vernetzung mit Wirtschaftspartnern, Patentrecherchen, über die Nutzung von Infrastrukturen und Laboren bis hin zu Coachings.

Spinn-off Programm - Ein Jahr Planungssicherheit

Das Spin-off-Programm finanziert den Aufbau am Zentrum tätiger Gründungsteams und die Umsetzung von Gründungsprojekten. Das Spin-off-Programm finanziert bei Bedarf auch extern gefundene Teammitglieder und kann dazu eingesetzt werden, die Gründungskompetenzen des internen Teams zu erweitern, z.B. durch Teilnahme an Entrepreneurship Trainings.

Um aus einer Idee ein Unternehmen zu machen, braucht es viel Mut, Energie und Engagement. Wir unterstützen die Forscher und Forscherinnen hierbei auf ihren vielfältigen Wegen ein gut durchdachtes Unternehmen zu gründen.

-  Julian Alexandrakis 


Die Auswahl der Startups – Tatendrang als Antrieb


„Wir achten, wie so viele in der Gründungsförderung oder -beratung es mittlerweile auch tun, sehr stark aufs Team. Man benötigt zu Beginn nicht unbedingt eine Idee, sondern lediglich den Mut etwas auszuprobieren. Sollte noch keine eigene Idee vorhanden sein, unterstützen wir gerne und helfen dabei das Potential in der eigenen Forschung zu sehen. Viele kommen mit einem Forschungshintergrund und denken natürlich „das könnte die Welt ein Stückchen besser machen“, aber wie genau man diese Grundlagenforschung umsetzen kann gestaltet sich manchmal alleine etwas schwierig. Wir wollen insbesondere diejenigen unterstützen bei denen wir einmal diese unternehmerische Denkweise oder aber einfach einen Tatendrang sehen, um ihre Forschung in eine Innovation, also in den Markt zu überführen. Wenn wir das sehen, macht das natürlich direkt Eindruck auf unsere bewährte Helmholtz Enterprise Jury, die auch aus großartigen Leuten mit viel Erfahrung zusammengesetzt ist, sowohl aus der Wirtschaft als auch aus der Wissenschaft. Letztendlich spielt auch eine gewisse Skalierbarkeit der Idee eine tragende Rolle. Wir haben sehr viele Gründungsvorhaben, die in einer Nische starten und im Laufe der Zeit viele weitere Anwendungsfelder entdecken. Bei diesem Schritt helfen wir gerne, diese gedankliche Brücke zu schlagen in was für Anwendungsbereiche kann das noch gehen. So beispielsweise auch das Startup Osteolabs.“

Tiefseeforschung führt zu neuem Diagnostikverfahren zur Früherkennung von Osteoporose


Das erste Spin-off, Osteolabs GmbH, aus dem Forschungszentrum GEOMAR in Kiel wurde durch den Helmholtz Validierungsfond und Helmholtz Enterprise gefördert. Mit anfänglichem Fokus auf Tiefsee- und Korallenforschung hat sich den Forschern bald ein neues Anwendungsfeld eröffnet, die Medizin. Über die Korallenforschung konnten die Forscher einen Test entwickeln, der zur Früherkennung von Osteoporose bequem von Zuhause durchgeführt werden kann. „Das Startup agiert mittlerweile international und hat es geschafft der Gesellschaft etwas zurückzugeben und aktiv Herausforderungen unserer Zeit zu lösen. Für uns ganz klar eine Erfolgsgeschichte,“ so Alexandrakis.

Zuwachs an Gründungsinteressierten in der Covid-19 Pandemie


„Die Coronapandemie hat dazu geführt, dass wir sogar noch mehr Gründungsinteressierte kennenlernen konnten, viele sind einfach gedanklich oder auch persönlich ein Stück weit gereift. Dementsprechend haben wir keinen Rückfall gesehen, sondern eher einen Anstieg am Interesse zu Gründen. So beispielsweise auch an den Startup Days.“

Gründungen im Bereich der Medizin


Bei Gründungen im Bereich Lifesciences und Gesundheit bedarf es, aufgrund ihrer längeren Entwicklungszyklen, meist an höheren Investitionen. „Unser Förderprogramm Helmholtz Enterprise unterstützt die Gründer über 14 Monate mit 200.000 Euro in der Entwicklung, dem anfertigen von Prototypen und ihrem Geschäftsmodell. In der Regel muss in diesem Bereich das Projekt noch von anderen Fördermitteln ergänzt werden. Mit 200.000 Euro kann man zwar auch in der einiges machen, aber da sind die Entwicklungskosten meistens einfach noch einmal höher,“ so Alexandrakis.

200 Jahre Helmholtz – Ein Vorbild für heutige Herausforderungen


„Helmholtz war nicht nur ein Universalgelehrter, sondern auch jemand der sich sehr stark für den Bereich Transfer interessiert hat. Jemand der selbst viel erfunden hat und das Ganze dann auch den Menschen zugutekam, die in seiner Zeit lebten. Das ist etwas, dass wir auch in unserer Arbeit sehen, um einfach den Gedanken von Helmholtz weiterzugeben. Die Pandemie hat uns gezeigt, wie wichtig Zusammenarbeit ist. Denn wenn viele Wissenschaftler:innen interdisziplinär zusammenarbeiten, können sie grandiose Dinge umsetzen und Probleme lösen. Deshalb haben wir es uns zur Aufgabe gemacht Innovationen zu fördern, die das Ziel haben große Herausforderungen zu lösen.“

Im Fokus der Zusammenarbeit zwischen 5-HT Digital Hub Chemistry & Health und dem Helmholtz Enterprise Programm steht die Vernetzung der Spin-offs mit potenziellen Wirtschaftspartnern sowie der Erfahrungsaustausch in Form gemeinsamer Veranstaltungen.

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