Eine Revolution der sauberen Energie

Katharina Kittelberger

Startup Stories

Die Chemie- und Gesundheitsindustrie von morgen braucht saubere Energie – genau diese bietet die im Jahr 2017 gegründete EH Group Engineering AG. Mit deren Brennstoffzellentechnologie hat sich das Schweizer Startup zum Ziel gesetzt, die Kommerzialisierung und den großtechnischen Einsatz von Wasserstoff-Brennstoffzellen in einer kohlenstoffarmen Welt zu beschleunigen.

Mit der Teilnahme an dem X-Linker New Energies – H2 hatte das Startup die Gelegenheit deren Innovation voranzutreiben. Hierzu erinnert sich Christopher Brandon, Mitbegründer und Direktor: „Insgesamt war es eine hochkarätige Veranstaltung, an der wir gerne teilgenommen haben. Besonders im Vorgespräch mit Frank Funke kam sein gutes Gespür dafür hervor, was Unternehmen wollen und wie wir uns als Startup einbringen können.“  

Im Interview mit 5-HT gibt uns Christopher weitere spannende Einblicke in den Bereich der rasant wachsenden Wasserstoff-Technologie. 

Mit der Gründung gegen herkömmliche Technologien 

Diese Ambition teilte Christopher mit seinem Partner ​Dr. Mardit Matian als sie vor vier Jahren die EH Group gründeten: „Mein Geschäftspartner ist schon seit 20 Jahren im Bereich Wasserstoff und Feldzellen tätig. Vor vier Jahren hatte er die Vision, dass sich die künftigen Technologien auch weiter in diese Richtung entwickeln sollten. Um daran aktiv teilzuhaben, gründeten wir die EH Group.“

Mittlerweile besteht das EH Group-Team aus 15 Mitarbeitern, doch „bis Ende 2021 wachsen wir wahrscheinlich erneut um 30 Prozent“, so Christopher. Nicht nur intern wird deren Erfolg durch ein wachsendes Team bestätigt. Auch extern bekommt das junge Startup Zuspruch, denn deren innovative Brennstoffzellentechnologie wurde im Jahr 2020 mit dem EFFICIENT SOLUTION Label der Stiftung Solar Impulse ausgezeichnet.

 

Gründerteam Christopher Brandon und Dr. Mardit Matian

Vorweg: Was genau sind eigentlich Wasserstoff-Brennstoffzellen? 

Die Brennstoffzelle ist ein elektrochemisches Gerät, das die Energie des Wasserstoffs in Strom, Wasser und Wärme umwandelt. Eine Brennstoffzelle besteht aus mehreren Zellen, die gemeinsam einen Stapel, den sogenannten Stack bilden. Um die im Wasserstoff gespeicherte Energie umzuwandeln, wird dieser entsprechend in der Brennstoffzelle aufgespalten. Somit kann eine Brennstoffzelle Wasserstoff durch eine elektrochemische Reaktion in Elektrizität und Wärme umwandeln.

„Somit liefern Brennstoffzellen emissionsfreien Strom“, so Christopher. „In der Regel bestehen diese aus einem Elektrolyten, Elektroden, Zufuhrkanälen für Brennstoff und Oxidationsmittel sowie Stromabnehmern.“  

Wie genau baut das Konzept von EH Group hierauf auf? 

„Mit unserem Konzept erfüllen wir primär drei Ziele“, beginnt Christopher: „Zum einen hat unserer innovative Brennstoffzelltechnologie eine hohe Leistungsdichte. Denn die von uns entwickelten Brennstoffzellstapel basieren auf einer völlig neu gestalteten Mikrostrukturebene. Dadurch werden diese kompakter, leichter und effizienter. Zum anderen wurde unsere Systemarchitektur vereinfacht, und wir erreichen weniger störende Lasten, niedrigere Kosten und eine höhere Effizienz. Dadurch haben wir transformative Montage- und Produktionsinnovation, die die Kosten erheblich senkt und auf eine schnelle Skalierung ausgerichtet ist.

EH Group bietet deren Brennstoffzellen über mehrere Plattformen an

Ein vielseitiger Einsatzbereich von Brennstoffzellen bedeutet einen vielseitigen Kundenstamm
Aufgrund der extremen Kompaktheit der Brennstoffzellen von EH Group sind diese ideal für mobile Anwendungen in beispielsweise Bussen, LKWs und Gabelstaplern. Doch auch in Boote und Drohnen können diese implementiert werden, oder wie Christopher es allgemein formuliert: „Dort, wo Gewicht und Volumenreduzierung zwei Schlüsselkriterien sind, ist es sinnvoll, unsere Technologie einzusetzen.“ 

Christopher betont, dass das nur einige der Märkte sind, die von einer großflächigen Einführung der innovativen EH Group Technologie profitieren würden. Denn darüber hinaus können die Brennstoffzellen auch in stationären Anwendungen wie Mikronetzen, Geschäftsgebäuden, Datenzentren, Telekommunikationstürmen oder Krankenhäusern eingesetzt werden. 

 

Wie genau monetarisiert EH Group dieses Konzept?

„Einerseits operieren wir als Brennstoffzellen-Lieferant, worüber wir direkte Umsätze generieren. In diesem Zusammenhang bieten wir unser Produkt auch maßgeschneidert für Großkunden an. Wenn diese beispielsweise ein Stack in einer gewissen Passform benötigen, weil es in ein bestimmtes Produkt implementiert werden soll, dann können wir das tun“, so Christopher.  

„Wir stellen unsere Stacks schneller, präziser und in einem größeren Maßstab her. Dadurch sind wir in der Lage etwa 100.000 bis 120.000 Stacks bis zum Ende von 2022 zu produzieren.“

Letztlich ist EH Group in der Lage, die Leistung sowie den Zustand aller Systeme aus der Ferne zu überwachen. Dadurch kann eine vorausschauende Wartung sowie eine Mitteilung darüber angeboten werden, wann ein Stack aufgerüstet werden muss oder ob Komponenten gewartet werden müssen.

An einer kohlenstoffarmen Welt mitwirken - Worauf seid ihr besonders stolz?

„Wahrscheinlich darauf, dass wir uns lange bevor Dekarbonisierung und Wasserstoff zum großen Thema wurden, bereits mit Brennstoffzelltechnologie beschäftigt haben. Wir sahen schon früh die Dringlichkeit eine kohlenstoffarme Lösung für Wirtschaft und Industrie zu finden. Zwar hätten wir nicht damit gerechnet, dass dieses Thema solch eine Eigendynamik entwickelt, aber letztlich bestärkt es und in unserer Mission.“ 

Doch daneben betont Christopher auch die Wichtigkeit des stabilen und zuverlässigen EH Group-Teams, welches laut ihm das Rückgrat eines jeden Unternehmens bildet. So würde er deren Unternehmenskultur folgendermaßen beschreiben: „Wir haben flache Hierarchien, in denen jeder selbstständig und verantwortungsbewusst arbeitet. Weil unsere Arbeit Kenntnisse in vielen verschiedenen Bereichen voraussetzt, es gleichzeitig enorm herausfordernd. Doch das macht es umso erfreulicher, gemeinsame Erfolge zu feiern.“

Keine Europäische Geschichte, sondern eine Globale: Pläne für die Zukunft

Momentan beschreibt Christopher den Status von EH Group als „zwischen Start- und Scale-up. Weil wir noch in der Frühphase sind, fokussieren wir unsere Geschäfte derzeit auf Europa. Denn wir finden, dass es zu Beginn sinnvoller ist, in der Nachbarschaft zu bleiben.“ 

Für die Zukunft von Wasserstoffsystemen wünscht er sich: „Brennstoffzellen sowie die anderen Elemente, die für Wasserstoff-Ökosysteme benötigt werden müssen, kostengünstiger werden. Das bedeutet konkret günstigerer Wasserstoff, günstigere Speicherung und günstigere Produktions- und Einsatzlösungen.“

„Wasserstofftechnologien werden sich zukünftig nur durchsetzen, wenn die Skalierung erhöht wird, die Kosten gesenkt werden und sichergestellt wird, dass es zuverlässig funktioniert.“ 

Gleichzeitig betont Christopher, dass Europa in den vergangenen 14 Monaten, insbesondere durch den europäischen Green Deal mit seinen Forderungen nach grünen Technologien, die neuen Wasserstofftechnologien stark vorangetrieben hat. 

Inwiefern kann euch 5-HT in diesem Zusammenhang unterstützen?

„Unser Ziel ist es, Partnerschaften mit Unternehmen zu etablieren, die unsere Vision teilen. Dass 5-HT dabei enorm hilfreich ist wurde bereits bei dem X-Linker New Energies – H2 deutlich. Diese sehr gelungene, gut organisierte Veranstaltung bestärkte uns in der künftigen Zusammenarbeit mit 5-HT. Euer Fokus auf der Chemieindustrie ist für uns auch relevant, denn es gibt zahlreiche Bereiche, in denen ein Chemieunternehmen sein Fachwissen in die Weiterentwicklung von Brennstoffzellen einbringen könnte. Beispielsweise in Materialien wie Dichtungsmittel, Membranen, Katalysatoren, leichten Verbundwerkstoffen. In diesem Bereich produzieren und entwickeln wir bereits vieles.“ 

Abschließend hält Christopher fest: „Es ist ein langer Weg, aber mit den richtigen Partnern an der Seite wird vieles einfacher. Wir schätzen 5-HT als einen solchen Partner ein und freuen uns entsprechend auf deren Unterstützung.“ 

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