Ein Jahr nach dem Sieg bei X-Linker: Neue Pilotprojekte und Produktoptimierung bei PipePredict

Neun Monate sind eine lange Zeit, ganz besonders für ein Startup. Seit unserem letzten Artikel über die PipePredict GmbH im Mai 2020 hat sich bei dem jungen Unternehmen viel getan. PipePredict, das ist der Gewinner von 5-HTs X-Linker Programm 2020, das nunmehr ein Jahr zurückliegt. PipePredict, ehemals unter dem Namen Sooqua bekannt, ermöglicht es mit seiner Technologie, Rohrbrüche und -schäden genauer vorherzusagen als jede Kristallkugel. Heute werfen wir mit Mitgründer Christopher Dörner erneut einen Blick auf Predictive Maintenance von Rohren – und natürlich auf die Fortschritte, die PipePredict in den vergangenen Monaten gemacht hat. Außerdem möchte Christopher einen Aufruf an Startups zum Beispiel aus dem Bereich der Sensorik und Unternehmen mit Rohrnetzwerken starten.

Das PipePredict-Gründerteam: Christopher Dörner, Valerie Fehst und Tri-Duc Nghiem (v.l.n.r.)
Das PipePredict-Gründerteam: Christopher Dörner, Valerie Fehst und Tri-Duc Nghiem (v.l.n.r.)

Was bisher geschah:

Bislang werden Rohrnetze mittels Preventive Maintenance und einer Reha-Strategie gewartet. Bei dieser werden Wahrscheinlichkeiten errechnet, wann ein Bauteil ausfällt oder beschädigt wird. Der große Nachteil dieser Methode ist, dass sie nicht sehr kosteneffizient ist, da damit nur der große Durchschnitt und nicht das einzelne Bauteil betrachtet wird.

Mittels Sensordaten kann PipePredict den Zustand von Rohren ermitteln und damit genauere Vorhersagen treffen, als es mit der herkömmlichen Methode möglich wäre. Dazu nutzt das Startup einen Digitalen Zwilling, ein 3D-Modell des Rohrnetzes, und hat zugehörige Algorithmen entwickelt, die mithilfe der im Modell hinterlegten, physikalischen Eigenschaften der Bauteile Vorhersagen errechnen können.

Mit diesem Modell konnte das Startup überzeugen: Bei 5-HTs X-Linker im Februar 2020 gewann PipePredict den ersten Preis.

Wie ging es nach X-Linker für euch weiter?

„Kurz nach dem Accelerator-Programm X-Linker gründeten wir unsere GmbH. Währenddessen starteten wir auch unser erstes bezahltes Pilotprojekt mit einem französischen Fernwärmelieferanten. Im Sommer waren wir soweit, dass wir die Sensorik für das Projekt ausstatten konnten. Unser Produkt wurde dadurch auf dem Markt verifiziert: Wir lokalisierten im Oktober gleich drei Leckagen für unseren Kunden mit einer Präzision von drei Metern.

Dem Kunden waren diese Leckagen bis dahin nicht aufgefallen, denn in der Fernwärme gibt es eigentlich dauerhaft geringe Leckagen. In der Regel fällt erst bei größeren Mengen auf, dass etwas nicht stimmt, da die Nachspeisemenge an Wasser stark ansteigt. In unseren drei Fällen waren die Leckagen so gering, dass sie dem Kunden anhand der Nachspeisemenge gar nicht aufgefallen wären. Für unseren Kunden und für uns war das sehr erfreulich, da wir somit Leckagen lokalisieren konnten, bevor sie größer und der Schaden damit teuer wurden.

Im November starteten wir schließlich unser zweites Pilotprojekt: Das Projekt lief über einen großen Sensorhersteller, dessen Kontakt wir durch 5-HT und X-Linker bekommen haben. Dabei handelt es sich um ein Pilotprojekt in der Fernwärme, bei dem mithilfe von Sensordaten Leckagen lokalisiert werden sollen. Das Projekt umfasst mehrere Kilometer Rohrnetz.

Im Dezember begannen wir mit unserem dritten bezahlten Pilotprojekt in der öffentlichen Wasserversorgung. Ein weiteres ist bereits für März bestellt. Wir können also auf eine ganze Reihe Pilotprojekte zurückschauen, die wir mit unseren Kunden durchführen, während wir unser Produkt weiterentwickeln. Dazu gehört die Optimierung der Algorithmen und das Anpassen auf andere Netzwerke – denn jedes Netzwerk hat spezielle Eigenschaften, unterschiedliche Rohrtypen oder sogar Kombinationen oder verschiedenen Rohrtypen.“

PipePredicts digitale Lösung basierend auf bestehender Hardware
PipePredicts digitale Lösung basierend auf bestehender Hardware

Heißt das, dass ihr euch auf andere industrielle Rohrnetzwerke erweitern wollt?

„Das ist unser Ziel. Als Einstiegsmarkt für uns sehen wir Wassernetzwerke. Der Grund ist, dass eine Leckage dort nicht explosiv oder umweltschädlich ist und gleichzeitig – oder genau deshalb – bereits viele hauptsächlich kleinere Leckagen bestehen, die wir lokalisieren können. Mit diesen Sensordaten können wir unsere Algorithmen also besser trainieren und so die Produktentwicklung schneller vorantreiben.

Nachdem wir das Produkt für die Wasserversorgung entwickelt haben, sind für uns auch andere Industrien interessant. Zum Beispiel sind in Industrieparks nicht nur die Wasserversorgung, sondern auch andere Flüssigkeiten wie z.B. Chemikalien für uns von Interesse.“

Wir haben von euren Highlights im vergangenen Jahr gesprochen. Gab es auch Tiefpunkte?

„Die gab es tatsächlich. Aufgrund der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Maßnahmen wurden wir einige Male daran gehindert, zu unserem Kunden nach Frankreich zu fahren. Besonders herausfordernd war es, als wir ein Upgrade unserer Hardware vornehmen wollten und mehrere Wochen daran gehindert wurden.

Wir entwickelten also eine Möglichkeit, bei der der Kunde selbst Veränderungen an der Hardware vornehmen kann und konnten das Problem so überbrücken. Dennoch wäre natürlich ein direkter Kontakt schöner gewesen. Das ist die Herausforderung von länderübergreifenden Pilotprojekten während der Corona-Pandemie. Allerdings haben wir dadurch gelernt auch Projekte durchzuführen, ohne selbst vor Ort sein zu müssen.

Außerdem fiel das Netzwerken schwerer: Wir haben an einigen Wettbewerben teilgenommen, bei denen leider die Preisverleihungen nur online stattfanden. Einen Großteil dieser Wettbewerbe macht jedoch das Netzwerken aus, aber das war so nur bedingt möglich.

Gleichzeitig ist das auch ein Vorteil der Digitalisierung gewesen, denn wir konnten an internationalen Wettbewerben teilnehmen. Wir gewannen zum Beispiel den ersten Preis beim ‚Brasil Sustentável‘ der Auslandshandelskammer AHK in São Paulo, der das Ziel hat, Wasserversorgungsnetze in Brasilien effizienter zu gestalten und Verluste zu reduzieren.“

Gibt es noch mehr Wettbewerbe, an denen ihr teilgenommen und die ihr gewonnen habt?

„Wir gehören außerdem zu den Gewinnern von ‚WeConomy‘, einem Wettbewerb der Wissensfabrik in Kooperation mit dem UnternehmerTUM und dem Handelsblatt. Als Gewinner erhält man dabei nicht nur Zugang zu Top-Managern von Großunternehmen, sondern auch Beratung zur Geschäftsmodellentwicklung und Vertrieb.

Aktuell sind wir außerdem beim Leipziger SpinLab Accelerator dabei, ein Programm zur Energiewirtschaft, die wir mit unserer Leckagelokalisierung in der Fernwärme ebenfalls bedienen. Das Programm läuft von Januar bis Juni und ermöglicht uns Zugang zu einer digitalen Lernplattform für Startups sowie ein Coaching- und Mentoringprogramm.

Auch die Förderprogramme wie das Climate-KIC Accelerator sind digital abgelaufen, was uns überraschende Vorteile gebracht hat: Die zweiwöchentlichen Treffen unter den Startups wurden digitalisiert, sodass sich alle Startups aus der DACH-Region Deutschland, Österreich und Schweiz digital treffen und austauschen konnten. Wir haben also die Nachteile – so gut es ging – in Vorteile umgewandelt.“

Wir haben viel über eure Vergangenheit, das letzte Jahr, gesprochen. Aber wie soll eure Zukunft aussehen?

„Unser wichtigster Zukunftsplan ist es, ein marktfertiges Produkt zu entwickeln. Wir wollen das Produkt natürlich auf den Markt bringen, vertreiben und vielen Kunden helfen, ihre Verluste zu reduzieren und eine bessere Planbarkeit von Reparaturen zu ermöglichen. Inzwischen sind wir auf sechs Mitarbeiter plus uns drei Gründer gewachsen, wollen uns aber noch weiter vergrößern und ein Sales-Team aufbauen. Von der technischen Seite wollen wir das Produkt weiter optimieren, damit wir immer präziser Leckagen lokalisieren und bessere Algorithmen zur Verfügung stellen können.

Und wir bauen gerade ein Partnernetzwerk auf. Deshalb möchte ich einen Aufruf an andere Unternehmen starten: Beispielsweise Startups, die sich auf Sensorik spezialisiert haben und einen Anwendungspartner suchen, können sich gerne an uns wenden. Auch an große Unternehmen möchte ich mich richten, die über Rohrnetze verfügen, eine bessere Planbarkeit ihrer Reparaturmaßnahmen wünschen, den Echtzeitzustand ihrer Rohre kennen wollen oder Leckage- oder Rohrbruchbedingte Produktionsausfälle vermeiden möchten: Wendet euch gerne an uns, auch wenn ihr nicht aus dem Bereich von Wassernetzwerken kommt. Wir bieten eine kostenfreie Erstanalyse an, welche ermittelt, wie genau wir das Rohrnetz mit der bereits bestehenden Sensorik überwachen können.“


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