„Ich stehe Startups bei der Internationalisierung zur Seite“

Das Mentoren-Netzwerk von 5-HT ist seit Kurzem um eine Startup-Expertin reicher: Josefina Nungesser, Director Trend- and Innovation Scouting bei Germany Trade & Invest (GTAI), bietet ihre Unterstützung für Startups an, die ins Ausland expandieren oder in Kontakt mit internationalen Investoren und Startup-Ökosystemen kommen wollen. Vor ihrem Wechsel zur GTAI, der Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Bundesrepublik Deutschland, baute Josefina Nungesser bei Oracle ein Startup- und Venture-Capital-Programm auf, arbeitete als Strategy Consultant bei PwC und leitete die europäischen Partnerprogramme für Microsoft. Im Interview mit 5-HT erzählt sie, wie sie die Hubs der Digital Hub Initiative (de:hub) bei der Internationalisierung unterstützt, wie sie die bisherige Entwicklung des 5-HT Digital Hub einschätzt und bei welchen Fragen sie Startups aus dem Ökosystem weiterhelfen kann.

Josefina Nungesser, Director Trend- and Innovation Scouting bei Germany Trade & Invest (GTAI)
Josefina Nungesser, Director Trend & Innovation Scouting bei Germany Trade & Invest (GTAI)

Womit beschäftigt sich deine Abteilung für Trend & Innovation Scouting bei der GTAI?

Als Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Bundesrepublik Deutschland unterstützt die GTAI deutsche Unternehmen bei ihrem Weg ins Ausland, wirbt für den Standort Deutschland und begleitet ausländische Unternehmen bei der Ansiedlung in Deutschland. Der Bereich Trend & Innovationscouting, den ich aufbauen durfte, ist bei der Abteilung Investorenanwerbung angesiedelt. Die GTAI Investorenanwerbung wiederum wirbt im Ausland für Deutschland als Investitionsstandort und überzeugt Unternehmen davon, sich hier anzusiedeln. Die Kolleginnen und Kollegen stehen diesen Firmen dann auch mit Rat und Tat zur Seite. Mein Bereich ist jedoch insbesondere für die internationale Strategie der Digital Hub Initiative zuständig.

Wie unterstützt ihr die Digital Hub Initiative bei der Internationalisierung?

Wir betreuen die einzelnen Hubs der Initiative im Hinblick auf ihre Internationalisierung, indem wir sie mit internationalen Akteuren in Kontakt bringen und dazu beitragen, dass sie auf dem internationalen Parkett gesehen werden. Zum Beispiel vernetzen wir die Hubs mit internationalen Startups, Acceleratorenprogrammen und Kapitalgebern, aber auch mit Großkonzernen und mittelständischen Unternehmen, die Interesse an einer Zusammenarbeit haben. Damit wollen wir Kollaborationen zwischen den Hubs und internationalen Akteuren anregen.

Was ist dein Resümee knapp drei Jahre nach der Gründung der de:hub Initiative?

Ich sehe die bisherige Entwicklung als Erfolgsgeschichte. Die einzelnen Hubs sind in den letzten Jahren schnell gewachsen, haben viele Erfahrungen gesammelt und sich untereinander eng vernetzt. Dabei konnten sie auch von der Marke de:hub Initiative profitieren, zum Beispiel bei internationalen Konferenzen, bei denen wir eigene Veranstaltungen organisiert haben oder mit Ständen vertreten waren. Deshalb habe ich den Eindruck, dass es in den Hubs in den letzten drei Jahren auch zu einer stärkeren Internationalisierung gekommen ist.

Was sind aus deiner Sicht wichtige Komponenten für ein erfolgreiches Ökosystem?

Hierzu kann ich aus meinen Erfahrungen mit dem Berliner Startup-Ökosystem berichten, bei dem ich über viele Jahre hinweg miterlebt habe, wie es wächst und gedeiht. In Berlin hat es eine große Rolle gespielt, dass die Politik sich mit verschiedenen Programmen für die Förderung von Startups eingesetzt hat. Positiv war auch der Zuzug von Kapitalgebern und Großkonzernen – Microsoft hat in Berlin zum Beispiel einen Accelerator für Startups ins Leben gerufen. Dass der Bundesverband Deutscher Startups und der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (bitkom) hier ansässig sind, hat sicher ebenfalls dazu beigetragen, dass das Berliner Ökosystem zu einem internationalen Hotspot geworden ist. Außerdem ist Berlin eine attraktive, weltoffene Stadt mit einer hohen Lebensqualität und einer gründerfreundlichen Atmosphäre.

Wie ist deiner Einschätzung nach der 5-HT Digital Hub in Bezug auf diese Erfolgsfaktoren aufgestellt?

Ich sehe den Digital Hub in Mannheim/Ludwigshafen als sehr gut aufgestellt, vor allem mit den Schwerpunktthemen digitale Chemie und digitale Gesundheit sowie Nachhaltigkeit als zentralen Zukunftsthemen. Bei 5-HT ist durch starke Partner wie SAP und BASF außerdem eine enge Vernetzung mit Corporates gegeben, was für ein erfolgreiches Ökosystem wesentlich ist. Darüber hinaus bestehen gute Kontakte zur Politik. Deshalb ist mein Eindruck, dass der 5-HT Digital Hub auf einer sehr soliden Basis aufgebaut ist.

Wie beurteilst du die bisherige Entwicklung des 5-HT Digital Hub?

Der 5-HT Digital Hub hat sich in der kurzen Zeit seit seiner Gründung stark weiterentwickelt. Vor allem der persönliche Einsatz von Marco Majer, Stefan Kohl und Frank Funke hat aus meiner Sicht dazu beigetragen, dass der Digital Hub in Mannheim/Ludwigshafen so schnell gewachsen ist. Ein Digital Hub ist kein Selbstläufer, sondern braucht engagierte Menschen, die ihn zum Erfolg führen, und das ist bei 5-HT auf jeden Fall gegeben. Ich habe mich auch sehr darüber gefreut, dass sich das Team von 5-HT immer wieder an internationalen Formaten der GTAI beteiligt hat. Dabei konnte ich selbst miterleben, dass das Engagement in diesem Digital Hub herausragend ist. Der hohe persönliche Einsatz hat in meinen Augen dazu geführt, dass 5-HT bereits eine sehr gute Position erreicht hat und an die bisherigen Erfolge sicherlich auch in Zukunft anknüpfen können wird.

Du bist seit Kurzem auch Mentorin bei 5-HT. Mit welchen Fragestellungen können sich Startups bei dir melden?

Zunächst einmal fühle ich mich geehrt, dass ich als Mentorin angefragt worden bin. In dieser Rolle möchte ich zum einen meine Erfahrung und mein Wissen zur Verfügung stellen, das ich bei der GTAI sowie bei meinen früheren Positionen gesammelt habe, insbesondere bei Oracle, wo ich für den Aufbau eines Startup-Programms zuständig war. Außerdem verfüge ich über ein großes Netzwerk, vor allem in der Berliner Startup-Szene, sodass ich gerne die entsprechenden Kontakte herstellen kann. Zum anderen möchte ich den Startups aus dem Ökosystem von 5-HT aber auch mit Rat und Tat zur Seite stehen, wenn es um das Thema Internationalisierung geht. Wenn ein Startup zum Beispiel ins Ausland expandieren will, kann ich mit Ratschlägen und Empfehlungen weiterhelfen. Außerdem teile ich gerne meine Erfahrungen in Bezug auf internationale Startup-Ökosysteme und Investorennetzwerke. Zusätzlich stehe ich dem Digital Hub sehr gerne zur Verfügung, wenn zum Beispiel eine Sprecherin für ein Panel mit internationaler Dimension gesucht wird.

Wie ist Deutschland deiner Meinung nach im Vergleich zu anderen Ländern in Bezug auf nationale Digitalisierungsinitiativen aufgestellt?

Die Digital Hub Initiative hat aus meiner Sicht einen Beitrag dazu geleistet, dass wir uns in diesem Bereich nicht verstecken müssen, sondern uns ohne Weiteres gemeinsam mit anderen europäischen Startup-Initiativen an einen Tisch setzen können. Ende Juni haben wir einen European Round Table initiiert, bei dem Startup-Initiativen aus vielen europäischen Mitgliedsstaaten teilgenommen haben. Dass ein solcher Austausch auf Augenhöhe möglich ist, ist ein Zeichen dafür, dass die de:hub Initiative durchaus mit anderen nationalen Digitalisierungsinitiativen mithalten kann, auch wenn sie erst drei Jahre alt ist.

Aufgrund der Coronakrise werden aktuell viele Tech-Messen abgesagt oder in den digitalen Raum verlegt. Werden internationale Events deiner Einschätzung nach in Zukunft weiterhin von Bedeutung sein?

Ich glaube, dass der Wunsch nach Internationalisierung trotz Corona ungebrochen ist. Die Reisemöglichkeiten sind zwar eingeschränkt und Messen oder Konferenzen sind in analoger Form kaum möglich, aber das hat nicht dazu geführt, dass es kein Interesse mehr an grenzüberschreitenden Geschäftsbeziehungen gäbe. Viele Veranstalter haben andere Wege gesucht und digitale Ausweichformate entwickelt. Vor Kurzem haben wir selbst erfolgreich einen digitalen Investorenpitch – die de:hub Start-up Games – ausgerichtet. In der aktuellen Situation ist es sicherlich etwas schwieriger, internationale Geschäfte anzubahnen und Beziehungen aufrechtzuerhalten, aber ich bin mir sicher, dass das Interesse an internationaler Zusammenarbeit dennoch bestehen bleiben wird.


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