Kommentar zu „Investoren scheuen die Risiken der Chemie“ aus dem Handelsblatt

Bezugnehmend zu dem Artikel von Siegfried Hofmann, welcher am 22.08.2019 im Handelsblatt erschienen ist. Er verweist auf eine Studie „Innovationsindikatoren Chemie 2019“, die das ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim und das Center für Wirtschaftspolitische Studien (CWS) der Leibniz Universität Hannover im Auftrag des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) durchgeführt haben.

Die Chemieindustrie muss sich neu aufstellen. Besonders der Rücklauf an Risikokapital im Chemieumfeld unterstreicht, dass die Branche im Vergleich zu anderen Industrien Nachholbedarf im Bereich Neugründungen hat. Wie im Artikel von Siegfried Hofmann korrekterweise aufgeführt, liegt die geringe Anzahl an Gründungen von Chemie-Startups an dem hohen Kapitalbedarf wie der langen Entwicklungszeit. Ergänzend hierzu ist es essenziell, nicht nur reine Chemie-Startups zu betrachten, sondern Startups, deren digitale Lösungen für die chemische Industrie relevant sind, miteinzubeziehen. Dies ist aktuell kaum gegeben, da der Leidensdruck der hiesigen Chemieindustrie durch die Digitalisierung (noch) nicht so hoch wie in anderen Industrien ist, welche bereits seit Jahren den Mehrwert durch externe Innovationen sehen und diese gezielt fördern.

Um den Wettlauf um die Pole Position im digitalen Zeitalter, welcher nicht im europäischen, sondern internationalen Kontext entschieden wird, nicht zu verpassen, ist ein gemeinschaftliches Vorgehen der deutschen oder sogar europäischen Chemieindustrie unabdingbar. Hierzu hat der Digital Hub for Chemistry & Health im Rahmen der Digital Hub Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie das Ziel, ein globales Ökosystem für digitale Chemie-Startups zu etablieren. Um sowohl erste Gründungsideen sowie das Zusammenführen von Startups mit Investoren und Chemieunternehmen zu unterstützen, führt der Digital Hub for Chemistry & Health Formate durch, die gezielt auf die Verbesserung der beschriebenen Situation zugeschnitten sind. Zu erwähnen wäre hier der Digital Qualifier, in dem Studierende reale Aufgabenstellungen von Chemieunternehmen bearbeiten. Idealerweise können Studierendenteams ihre Entwicklungen in die Gründung eines Startups überführen. Im einwöchigen Bootcamp X-Linker dagegen werden existierende Startups aus dem Bereich der digitalen Chemie intensiv auf das Treffen mit Investoren und Unternehmen am Finaltag sowie darüber hinaus vorbereitet.

Um die Attraktivität für Ausgründungen im Bereich Chemie zu erhöhen bzw. sichtbar werden zu lassen, muss ein Wandel der deutschen Chemieindustrie erfolgen – von Competition hin zu Coopetition. Um Coopetition, nämlich Kooperationen von eigentlichen Wettbewerbern zur Bildung von strategischen Allianzen, zu ermöglichen, kann der Digital Hub als geeignete Plattform dienen. Nur so wird eine langfristige Sicherstellung einer globalen Vorreiterrolle ermöglicht.

Autoren: Dr. Frank Funke und Marco Majer

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