„Ich mach mal ne App“

Ohne große IT-Kenntnisse eine App programmieren – das zu ermöglichen ist die Vision des Wormser Startups EDON. Gegründet wurde es im März 2018 von den beiden jungen Informatikern Andi Geisser und Moritz Hagemann. Im Interview erzählen sie, was ihr Produkt einzigartig macht, welche Rückschläge sie auf dem Weg einstecken mussten und welche Tipps sie für andere Gründer haben.

Die beiden EDON Gründer Moritz Hagemann und Andi Geisser (v.l.n.r.)

Wie kam es zur Gründung von EDON?

Andi Geisser: Ich arbeite zurzeit nicht nur für unser Startup, sondern bin auch Geschäftsführer einer Werbeagentur in Worms, ein Familienbetrieb in zweiter Generation. Mit der Zeit interessierten sich die Kunden unserer Agentur nicht nur für Webseiten, sondern immer mehr auch für Apps. Damals war Moritz schon bei uns in der Agentur tätig und wir haben uns zusammen mit der App-Entwicklung beschäftigt. Ursprünglich wollten wir nur eine eigene Abteilung innerhalb der Agentur dafür aufmachen, aber dann haben wir uns entschlossen, ein eigenes, unabhängiges Unternehmen zu gründen.

Kurz gesagt: Was macht euer Startup?

Moritz Hagemann: Unser Produkt ist die papayabox, eine Plattform zur visuellen, node-basierten Programmierung von nativen Apps. Der Vorteil gegenüber der klassischen Programmierung ist, dass kein Code geschrieben werden muss. Stattdessen gibt es Module, die man kombinieren und wiederverwenden kann. Dadurch wird die App-Entwicklung viel effizienter und fehlertoleranter, weil es zum Beispiel nicht das Problem gibt, dass der ganze Code nicht mehr funktioniert, wenn man sich einmal vertippt hat. Außerdem basiert alles auf einer einzigen Plattform, mit der man Anwendungen für Android, iOS und Web programmieren kann. Gerade Startups haben sonst oft nicht die Kapazitäten, gleichzeitig Apps für Android und iOS zu entwickeln, aber mit der papayabox geht das.

Andi Geisser: Bei EDON haben wir insgesamt drei Standbeine. Zum einen entwickeln wir mit der papayabox Hochleistungsapps für unsere Kunden. Dabei merken wir, an welchen Ecken wir noch feilen müssen. Wir merken aber auch, dass wir schon sehr weit sind. Außerdem machen wir klassische Software-Entwicklung – zum Beispiel Webseiten, Plattformen und Anbindungen an CRM-Systeme. Vor allem wollen wir nun aber die papayabox öffnen, damit jeder damit Apps entwickeln kann. Im ersten Halbjahr 2019 wollen wir die Plattform für ausgewählte Entwickler zugänglich machen, im Verlauf des Jahres dann für ganz Deutschland. Daraus soll eine große, florierende Entwicklungsgemeinde entstehen.

papayabox.io: Plattform zur visuellen Programmierung nativer Apps

Was macht die papayabox einzigartig im Vergleich zu anderen Produkten zur App-Entwicklung?

Moritz Hagemann: Das Besondere ist, dass sie das Programmieren sehr einfach und kostengünstig macht. Normalerweise kann man nicht hingehen und sagen: „Ich mach mal ne App“ – aber bei uns schon. Es reichen Basiskenntnisse in der IT, man braucht kein Programmierer zu sein, um mit der papayabox eine App zu entwickeln.

papayabox Beispiel

Wer sind eure Kunden?

Andi Geisser: Prinzipiell jeder, der eine App braucht. Die papayabox ist beispielsweise für Startups geeignet, die aus Kostengründen selbst programmieren wollen, oder für Agenturen, die für ihre Kunden Apps entwickeln wollen. Wir hoffen, dass sich jeder, der eine App entwickeln will, die papayabox anschaut.

Als Dienstleister sind wir genauso für alle da, wir arbeiten auch jetzt schon für Startups und entwickeln für sie Apps, aber auch für Agenturen und größere Unternehmen. Dabei haben wir auch schon verschiedene digitale Projekte für die Chemiebranche umgesetzt.

Wie wollt ihr mit der papayabox Geld verdienen, sobald ihr sie für andere Entwickler öffnet?

Moritz Hagemann: Pro Projekt zahlt man eine einmalige Gebühr, außerdem einen geringen monatlichen Beitrag, ähnlich wie für das Hosting einer Webseite. Für Startups wird es Sonderkonditionen geben: Die Anfangsgebühr fällt weg, sodass die Entwicklungsphase kostenlos ist und kein Risiko eingegangen werden muss. Erst wenn die App im Store erhältlich ist, werden dann Gebühren fällig.

Wie würdet ihr eure Unternehmenskultur beschreiben?

Andi Geisser: Wie es für Startups typisch ist, haben wir sehr flache Hierarchien. Neben Moritz und mir als Geschäftsführern haben wir mittlerweile zwei weitere Programmierer eingestellt, und im Februar sollen noch ein bis zwei weitere hinzukommen. Wir sprechen vieles mit dem ganzen Team ab, setzen uns zusammen und brainstormen. Jeder Mitarbeiter ist wichtig und wird wertgeschätzt. Wir sind immer auf der Suche nach Unterstützung, und auch eine Ausbildung oder ein duales Studium sind bei uns möglich.

Wenn ihr auf die Zeit seit der Gründung von EDON zurückblickt, worauf seid ihr besonders stolz?

Andi Geisser: Darauf, dass wir es aus eigener Kraft geschafft haben, ohne Kredite oder Investoren, nur zu zweit. Es ist auch toll andere Startups zu unterstützen. Wir können ihnen helfen, Träume zu realisieren, die sie sonst aus Kostengründen vielleicht nicht hätten realisieren können.

Bei einer Startup-Gründung läuft aber natürlich auch nicht alles glatt. Was war euer größter Rückschlag?

Moritz Hagemann: In der Gründungsphase hatten wir zuerst die Idee, das Baukastenprinzip zu verwenden, aber dann haben wir eine Marktanalyse durchgeführt und uns aufgrund dessen für die node-basierte Programmierung entschieden. Mit dem Baukastenprinzip wäre es einfacher gewesen – aber andererseits hätten wir damit nicht die Hochleistungsapps bauen können, die wir heute machen. Das war also eigentlich kein wirklicher Rückschlag, weil es uns zu dem gebracht hat, was wir heute sind. Nach der node-basierten Programmierung haben wir auch unser Startup benannt – „EDON“ steht für „node“ rückwärts gelesen.

Gibt es dennoch etwas, das ihr im Nachhinein anders gemacht hättet?

Moritz Hagemann: Aus Fehlern lernt man – natürlich gab es ein paar Sachen, bei denen wir später dachten, das hätte man auch anders machen können. Aber wir sind ja auch noch sehr jung, wir hatten noch nicht mal unser einjähriges Jubiläum. Ich denke, es ist also noch zu früh, um schon zu beurteilen, ob wir Fehler gemacht haben – vielleicht können wir das in drei, vier Jahren feststellen (lacht).

Apropos: Wo wollt ihr in drei, vier Jahren stehen?

Andi Geisser: Wir wollen möglichst steil wachsen. Spätestens wenn die papayabox draußen ist, brauchen wir auch ein Support-Team. Langfristig wollen wir das Unternehmen außerdem aufteilen in eine Abteilung für die Softwareentwicklung und eine Abteilung für die papayabox. Aktuell zahlen Moritz und ich als Geschäftsführer uns auch noch kein Gehalt aus, sondern investieren alles ins Unternehmen. Das sollte in drei, vier Jahren natürlich auch anders sein.

Gibt es etwas, das ihr euch von der Politik wünscht?

Moritz Hagemann: Für studentische Startups gibt es tolle Förderprogramme, zum Beispiel das EXIST-Gründerstipendium, aber für alle anderen leider nicht. Das ist sehr schade, denn wir stecken zum Beispiel sehr viel Arbeit in unser Startup und schaffen damit auch Arbeitsplätze, aber den Aufwand und das Risiko tragen wir alleine.

Welchen Rat könnt ihr anderen Gründern mitgeben?

Moritz Hagemann: Startup-Gründer unterscheiden sich enorm. Einerseits gibt es Leute mit tollen Ideen, die nicht wissen, wie sie diese Ideen umsetzen können, die aber gleichzeitig alles alleine machen wollen. Deshalb mein Rat: Scheut euch nicht davor, Hilfe anzunehmen! Andererseits gibt es auch Leute, die unbedingt gründen wollen und sich mit der wirtschaftlichen Seite gut auskennen, aber keine zündende Idee haben. Diese beiden Gruppen sollten sich zusammentun.

Andi Geisser: Am wichtigsten finde ich das Netzwerken. Moritz und ich sind beide viel auf Startup-Veranstaltungen in der Region unterwegs. Wir sind bei den Wirtschaftsjunioren aktiv, haben gute Kontakte zu den Gründerzentren in Worms und Mannheim und sind gerne bei Hackathons dabei.

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