Corporates, habt mehr Mut!

Wie Digitalisierung in Unternehmen gelingen kann

Wenn die passenden Partner aufeinandertreffen, lassen sich innovative Ideen umsetzen – auch in einem geschützten Raum. So können Corporates und Startups profitieren. Manchmal braucht es dazu einfach den richtigen Matchmaker.

5-HT spricht mit Tobias Breuer aus dem Mobile Solutions Team der BASF und Adrian Dietrich, Head of Sales und Marketing beim Startup ZReality, einem Spezialisten für Virtual Reality, Augmented Reality und Cross Reality Projekten im Industriebereich. Außerdem dabei sind Dr. Frank Funke, Chemiker mit über 20-jähriger BASF Erfahrung und nun einer von zwei Geschäftsführern des Digital Hub Mannheim/Ludwigshafen Chemistry & Health sowie Marco Majer, der beim Digital Hub für den Ausbau des Ökosystems und die Programmentwicklung zuständig ist.
Im Interview mit 5-HT sprechen sie über die gemeinsame Zusammenarbeit und welches Potenzial in der passgenauen Verbindung von jungen und etablierten Unternehmen steckt.

 

5-HT: Wie kam der Kontakt zwischen euch zustande?

Frank Funke: Letzten Sommer habe ich eine Veranstaltung zur digitalen Gesundheit in Kaiserslautern besucht, bei der mich der Geschäftsführer des dortigen Hubs auf ZReality aufmerksam machte. Ich habe Adrian Dietrich aus dem ZReality Team kontaktiert und war gleich interessiert. Die Vorstellung und das Slide Deck, das Adrian mir anschließend geschickt hat, haben mich sofort überzeugt, sodass ich dieses an Tobias Breuers Kollegen Leif Geiger aus dem BASF Mobile Solutions Team weitergeleitet habe.

Wir bekommen wöchentlich viele Slide Decks von Startups mit der Bitte, sie mit Corporates bekannt zu machen. ZReality war das erste Startup, das wir erfolgreich mit einem Corporate vermittelt haben. Deswegen habt ihr auch immer einem Platz in unserem Herzen.

Adrian Dietrich: Darüber sind wir auch sehr froh.

Tobias Breuer: Auch uns hat die Vorstellung von ZReality überzeugt. Seit dem Markteintritt der Microsoft HoloLens beschäftigen wir uns bei der BASF mit der neuen Technik der Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR), Leif und ich mittlerweile in Vollzeit. Wir konnten daher gut das Potenzial der ZReality Softwarelösungen für Enterprise Apps in VR/AR für die BASF beurteilen.

5-HT: Wie arbeitet ihr zusammen?

Adrian Dietrich: Der Kontakt zum Digital Hub hat im Spätjahr 2018 begonnen. Wir haben uns ausgetauscht und gemeinsame Tätigkeitsfelder eruiert. Nachdem der 5 HT-Hub den Kontakt zum Mobile Solutions Team bei der BASF hergestellt hat, sind wir regelmäßig im Kontakt, schon fast monatlich, persönlich eher noch öfter. Da eruieren wir Projekte, sprechen über Bedürfnisse und welche Lösungen wir dafür sinnvoll zuliefern können.

Es gibt aber auch Konzepte, bei denen eine größere Gruppe sinnvoll ist, wie mit dem 5-HT Digital Hub: Wir arbeiten zusammen, wenn es darum geht, wie man AR ins Labor bringen oder VR skalierbar zu Trainingszwecken einsetzen kann, dass einerseits Entwicklungskosten eingespart und andererseits das Training einem größeren Nutzerkreis zugänglich gemacht werden kann.

Tobias Breuer: Wir präsentieren AR/VR Anwendungen bei zahlreichen Inhouse-Veranstaltungen und bekommen auch von unterschiedlichen BASF Bereichen Anfragen oder auch schon konkrete Umsetzungsideen.
Da ist für uns ZReality ein sehr guter Partner, mittlerweile auch ein offizieller Partner der BASF, den wir bei solchen Projekten immer ansprechen können. Wir gehen dann gemeinsam in die Konzeptionierung. Bei den meisten Projekten sind wir noch relativ am Anfang. Gleichzeitig evaluieren wir aber auch das Produkt Sphere von ZReality, weil wir glauben, dass wir damit sehr viele schöne Use Cases in der BASF abbilden können. So könnten Inhouse-Veranstaltungen zukünftig auch Kollegen aus anderen Erdteilen als digitale virtuelle Inhalte zur Verfügung gestellt werden.

5-HT: Welche Funktion hat der 5-HT Digital Hub?

Marco Majer: Der Digital Hub hat wie bei BASF und ZReality gezeigt eine Scouting-Funktion, das heißt wir suchen nach passenden Startups und stellen dann das Matchmaking zur relevanten Einheit beim größeren Player her. Aber wir filtern auch die Startups und die Slide Decks, die bei uns eingehen, und leiten gute gezielt weiter. Daraus können sich konkrete Projekte entwickeln. Wir ergänzen somit andere BASF Einheiten, die Startup Scouting betreiben.

Der Digital Hub bietet diesen Playern einen geschützten Raum, damit sie gemeinsam den vereinbarten Entwicklungsansatz verfolgen können.

Adrian Dietrich: Der Hub könnte ein Innovationsmotor für die einzelnen Unternehmen sein, indem er Innovationen ins Unternehmen reinbringt und dieses agil von außen mit entwickelt.

5-HT: ZReality ist ja als offizieller Partner der BASF bereits gelistet. Wie schwierig ist es als Startup, in ein solches Unternehmen reinzukommen? Gibt es sehr viele Hürden?

Adrian Dietrich: Die größte Hürde ist es tatsächlich, den richtigen Ansprechpartner innerhalb eines so großen Konzerns zu finden. Gerade Unternehmen wie BASF, SAP, Pepperl+Fuchs oder andere bekommen ständig Vorstellungen von Startups.

Aus der Perspektive des größeren Unternehmens bedeutet es immer ein gewisses Risiko, so ein Produkt auszuprobieren, weil es noch wenig Praxis und Validierung gibt. Da ist es wichtig, einen guten Partner wie den 5-HT Digital Hub zu haben, der das ganze konsolidiert und die richtigen Partner an einen Tisch bringt.

Tobias Breuer: Kann ich nur bestätigen. Für uns ist es natürlich ein großer Vorteil, dass ZReality jetzt ein offizieller Partner sind, weil der Einkauf dann vereinfacht ist. Wir haben als großes Unternehmen viele Prozesse und Guidelines, an die wir uns halten müssen. Unsere hohen Anforderungen umzusetzen ist für manches Startup schwierig. ZReality hat schon viele Projekte auch mit anderen großen Firmen gemacht und bringt somit einige Erfahrung mit, was vieles in der Abwicklung mit der BASF vereinfacht. Bisher sind wir sehr zufrieden.

5-HT: Das hört sich ja nach dem Beginn einer erfolgreichen Zusammenarbeit an!

Tobias Breuer: Ja.

Frank Funke: Da unser Netzwerk im Bereich Chemie und Gesundheit wöchentlich wächst, freuen wir uns darauf, ZReality auch mit anderen Netzwerkpartnern in Kontakt zu bringen, um euch damit zu helfen.

Adrian Dietrich: Das wäre klasse. Wir stecken voller innovativer Ideen, müssen aber Schritt für Schritt gehen. Wir planen beispielsweise standardisierte Trainings. Wir haben uns sogar ein Konzept überlegt, um Feuerwehrtrainings mit echten Geräten in die Virtual Reality zu bringen. Für die Umsetzung benötigen wir noch den entsprechenden Kunden. Und da ist es gut, dass der 5-HT Digital Hub diese Konsolidierungs- und Partnerrolle für uns mit übernimmt.

5-HT: Welchen Rat könnt ihr Startups geben, die mit Corporates zusammenarbeiten wollen und welchen Rat könnt ihr Corporates geben, die mit Startups zusammenarbeiten wollen?

Tobias Breuer: Wenn wir als Corporate mit Startups zusammenarbeiten, ist es für uns wichtig, dass wir eine klare Linie erkennen können. Die Vertreter des Startups müssen uns gut vermitteln können, was ihre Expertise und ihr Ziel sind und uns davon überzeugen können, dass sie die Erfahrung haben und sich auch in die richtige Richtung bewegen.

5-HT: Habt ihr eine Präferenz dafür, in welcher Phase sich das Startup befindet?

Tobias Breuer: Nein. Wenn wir über ein technisches Gerät sprechen, müssen die ja schon eine gewisse Reife haben. Aber wenn das Startup eine gute Idee hat, die sehr gut zu uns passt, dann würden wir sicherlich eine Möglichkeit zur Zusammenarbeit finden. Wir haben viele und coole Ideen, die wir im Moment noch nicht abbilden können. Grundsätzlich sind wir immer an Startups mit einem industriellen Use Case interessiert, die auch unsere Anforderungen erfüllen.

5-HT: Und jetzt aus Startup-Sicht?

Adrian Dietrich: Aus Startup-Sicht? Welche Empfehlung können wir Corporates geben? Auf dieser Metaebene würde ich sagen: Corporates, habt mehr Mut! Mehr Mut, Neues auszuprobieren und zu wagen. Natürlich immer mit dem klaren Fokus auf dem Mehrwert, den eine neue Technologie mitbringt. Manchmal sollte man aber auch mal etwas wagen und einen neuen Weg ausprobieren. Das in einem geschützten Raum, zum Beispiel dem vom Digital Hub. Dazu kann ich einem Unternehmen nur raten.

Schließlich haben Unternehmen viele gute innovative Ideen, die allerdings im Alltag oft an zweiter Stelle kommen. Wenn sich aber Corporates mit neuen Lösungen beschäftigen, können Sie die Zukunft des eigenen Bereiches aktiv mitgestalten – es können sogar neue digitale Geschäftsmodelle entstehen. Natürlich bedeutet es ein gewisses Risiko. Aber Unternehmen haben heute die Chance Digitalisierung zu entwickeln. Mit dem 5-HT-Hub und dem Mobile Solutions Team planen wir ein Projekt, das neue Prozesse und Technologien entwickelt, um diese dann, wenn sie sich bewährt haben, in den Unternehmensalltag übernommen werden. Gerade für komplexe Lösungen, die agil entwickelt werden, bietet aus Startup-Sicht der 5-HAT-Hub den richtigen Boden, um eine fruchtbare Lösung für alle Seiten zu entwickeln.

5-HT: Um diesen Match besser herstellen zu können, ist es auf der einen Seite wichtig, die Anforderungen der Corporates zu kennen und auf der anderen Seite auch die Startups fit zu machen, dass sie den Anforderungen der Corporates entsprechen. Wie unterstützt der Hub hierbei?

Marco Majer: Wir bieten unterschiedliche Programme, zum Beispiel den X-linker im Mai. Dieser ist für Startups, die sich in der Seed Phase befinden und sich mithilfe von Mentoren- und Pitchtraining und in Corporate Speed Dating Sessions fit für das Seed Investment und Corporate Matching machen.

Frank Funke: Unsere Hauptsäule wird die Projektsäule sein. Idealerweise nicht nur zwischen einem Startup und einem Unternehmen, sondern zwischen mehreren Startups und mehreren Unternehmen. Das kann man eben nur in einem Hub machen, der dafür den geschützten Raum bietet. Wir freuen uns darauf, in Zukunft mehrere Projekte gleichzeitig zu betreuen. Wir können sie nicht alle inhaltlich betreuen. Wir können sie aber organisatorisch betreuen und mit der Industrieerfahrung des Hub-Personals inhaltlich Ratschläge geben. Auch bei Business Cases können wir auf jeden Fall helfen. Diese Projektsäule ist der USP des Hubs. Ich bin überzeugt, dass in den nächsten Monaten und Jahren etliche Projekte gestartet werden können.

5-HT: Vielen Dank für das Interview.

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