Mehr Digitalität im Gesundheitswesen wagen

Komplexe medizinische Bilddaten müssen heutzutage für Ärzte mobil abrufbar sein – überall und jederzeit. mRay macht das möglich.

Das Medizin-Startup mbits schafft mit seinem digitalen Medizinprodukt mRay eine Plattform für die sichere Übertragung von radiologischen Bilddaten auf mobile Geräte. Ärzte können mit einer App Bilddaten ortsunabhängig per Tablet oder Smartphone einsehen – und sind bei der Diagnose räumlich nicht mehr an einen Stationsrechner gebunden. Auch die Kommunikation zwischen Kollegen ist mit der App problemlos möglich. Seit 2015 macht mbits so den Klinikalltag etwas digitaler und erleichtert die praktische Arbeit mit radiologischen Bildern.

Dr. Ingmar Gergel und Dr. Michael Müller sprechen im Interview mit dem Digital Hub for Chemistry & Health über die Gründung ihres Startups, die wichtigen Schritte danach und über eine Branche im Aufbruch.

Wie war der Weg zum eigenen Unternehmen?

Dr. Michael Müller: Die Idee zu mbits entstand 2011 – als das erste iPad aufkam. In unserer Medizininformatik-Abteilung am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) haben wir uns bereits mit Mensch-Maschine-Schnittstellen auseinandergesetzt. Und uns die Frage gestellt: Wie können wir Software sinnvoll in den Klinikalltag integrieren? Mit dem Aufkommen des iPads ist dann die Idee zur mobilen Software mRay entstanden.

Dr. Ingmar Gergel: Wir haben uns vor allem damit beschäftigt, wie man medizinische Bilddaten verarbeitet und sicher auf Mobilgeräte portiert. Zu Beginn wurden wir belächelt. Doch irgendwann haben wir festgestellt, dass wir das Projekt in Richtung marktreifes Produkt treiben können. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir noch unsere Verträge am DKFZ und haben als sogenanntes Steinbeis-Transferzentrum agiert – ein Konstrukt, durch das wir am Markt aktiv werden konnten, ohne den Rückhalt des Instituts zu verlieren. Die Motivation Produkte zu entwickeln war also schon früh da. Und so ergab sich ein kontinuierlicher Übergang hin zur eigenen GmbH.

Wo steht mRay aktuell und welche Perspektiven sehen Sie für die Plattform?

Dr. Michael Müller: Derzeit betreuen wir rund 35 Kliniken, Praxen und Firmen – hauptsächlich Kliniken in Südwest-Deutschland. Wir starten eher lokal und expandieren nun Schritt für Schritt – auch international. Bei einer schnellen Internationalisierung bräuchten wir immense Ressourcen, sowohl in Form von Kapital als auch Manpower.

mbits

Dr. Ingmar Gergel: Unser Fokus liegt vorerst auf der DACH-Region. Da es sich bei mRay um ein digitales Produkt handelt, bekommen wir natürlich auch internationale Anfragen – obwohl wir dahingehend noch kein Marketing betreiben. In Israel haben wir beispielsweise schon vier Installationen durchgeführt. Nach und nach werden es mehr Anfragen und Kunden.

Spüren Sie Konkurrenz? Falls ja, wie gehen Sie mit diesem Wettbewerb um?

Dr. Ingmar Gergel: Natürlich. Zum einen haben wir Wettbewerber im Bereich der Bildbetrachtung. Dann gibt es aber auch Konkurrenten beim Austausch und der Verteilung von medizinischen Bilddaten. Derzeit sind wir noch eines der wenigen Unternehmen, die beides kombinieren. Aber wir sehen auch, dass die anderen Hersteller nicht schlafen. Unser Ziel ist es, bei der Entwicklung alle Vorteile mobiler Geräte zu nutzen. Dazu gehört neben der Mobilität beispielsweise auch die Kameranutzung. Ein Modul entsteht aktuell zur Wund-Dokumentation während der Visite. Bilder werden mit dem mobilen Endgerät aufgenommen, mit einer Patientenzuordnung im Archiv abgelegt und so zugänglich gemacht.

Dr. Michael Müller: mRay steht eben nicht nur für einen mobilen Bildzugriff. Wir verfolgen einen Plattformgedanken und versuchen mit unserer Software alles, was mobil sinnvoll ist, auch abzudecken. Maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz ist auch ein Feld, dem wir uns aktuell widmen.

Stichwort Digitalisierung – welche Bedeutung haben digitale Lösungen im Gesundheitswesen?

Dr. Michael Müller: Die Digitalisierung schreitet in der Medizin rasant voran. Forschung und Industrie entwickeln immer neue Projekte und Produkte. Auf der anderen Seite gibt es die Krankenhäuser mit ihrem Versorgungsauftrag. Klar sind das keine Spielwiesen für neue Technologien. Das Handeln ist hier oft eher konservativ oder reserviert. Das macht es uns natürlich nicht leicht. Aber wir beobachten hier einen rezeptorischen Prozess: Neuentwicklungen finden erst nach einigen Jahren ihren Weg in den Großteil der Krankenhäuser.

Wie sieht die Unterstützung vor Ort aus? Haben Sie Kontakt zur lokalen Startup-Szene?

Dr. Ingmar Gergel: Das DKFZ ist an unserem Startup beteiligt – dementsprechend genießen wir noch gewisse Vorzüge, die mit der Kooperation einhergehen. Mit den Heidelberg Startup-Partners gibt es zudem ein Netzwerk, das Veranstaltungen organisiert und hilfreiche Kontakte vermittelt.

Dr. Michael Müller: Über die Heidelberg Startup-Partners kennen wir auch das ein oder andere junge Unternehmen aus der Region. Und diese trifft man dann bei Vorträgen oder auf Kongressen wieder. Besonders für Medizinunternehmen sind die Voraussetzungen in der Rhein-Neckar-Region ideal – vor allem wegen der vielen Institute und Forschungseinrichtungen.

Haben Sie einen Ratschlag, den Sie jungen Startups geben können?

Dr. Michael Müller: Am Anfang hatten wir eine, wir nennen es Wurstelphase. In dieser Zeit startet man mit einer Idee und wird irgendwann mit der Realität konfrontiert – schlägt dabei teilweise hart auf. Firmengründung heißt auch, sich am Anfang selbst zu definieren. Das muss man einplanen und sich diese Zeit eingestehen. Wer davon überzeugt ist, sofort steil zu gehen, scheitert meist.

Dr. Ingmar Gergel: Das mag jetzt eine Binsenweisheit sein, aber man kann nur etwas verkaufen, wenn man den Markt kennt und im stetigen Austausch mit den Käufern ist. Dafür muss man sich viel Zeit nehmen und die Bedürfnisse der Zielgruppe ganz genau kennenlernen.

Fakten mbits imaging GmbH

Branche: Medizinische Informatik
Produkte: Software
Standort: Heidelberg
Gründung: 2015
Geschäftsführer: Dr. Ingmar Gergel, Dr. Michael Müller
Mitarbeiter: 10

Kontakt: mbits imaging GmbH · Dr. Ingmar Gergel, Geschäftsführer · +49 (0)6221 6734881 · gergel@mbits.info · www.mbits.info

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